Montag, 3. Dezember 2012

A never ending Story – Kapitel 10

Road trip nach New York
Es war Mittwochabend und jetzt, da sie beschlossen hatten nichts ins Kino zu
gehen, saßen sie in einem Internetcafé, Lan bezahlte, und planten ihren Trip.
„Wir brauchen ein Auto...“; murmelte Lan und musterte den Zugplan und den
Routenplan. Er deutete auf den Monitor. „Siehst du... wir sind um einiges
schneller, wenn wir mit dem Auto fahren.. da sparen wir die Hälfte der Zeit!“
Der Rotschopf schlug mit dem Bleistift, den er zwischen seinen Fingern hielt
immer wieder gegen sein Kinn. Wie würden sie an ein Auto kommen? „Meinst du
Enrique, würde fahren?“ - „Ich will ihn da nicht mit rein ziehen...“ -
„Aber er ist dein Bruder.“

Der Blonde lehnte sich zurück, auf dem Stuhl,
den er sich mit zu Lan gezogen hatte, dass sie zusammen auf den Bildschirm
schauen konnten, und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf, nur um sie dann
zu strecken.  Er musterte Lan kurz bevor er die Augen für einen Moment schloss
und die Luft aus seinen Lungen presste und so ausatmete.  „Ich weiß, dass er
mein Bruder ist.. nur Enrique arbeitete und wir müssen spätestens morgen
Nachmittag los und da arbeitet er.. und ich will nicht, dass er sich wegen mir
frei nimmt.“ Lan musterte den Spanier und atmete ebenfalls aus, doch war es
bei ihm eher ein Seufzen. „Okay.. nicht Enrique... aber wir brauchen ein
Auto. Wir brauchen ein Auto...“ Er tippte sich weiter mit dem Stift gegen das
Kinn. Sein Gehirn kurbelte und man konnte sehen wie er alles Mögliche durch
ging, dann grinste er. „Die Idee!“, flötete er plötzlich glücklich und
sprang auf. „Bin gleich wieder da!“ Der Rotschopf zog sein Handy aus seiner
Jackentasche und tippte schnell eine Nummer rein, bevor er aus dem Café
verschwand. Aufgeregt erzählte er, lächelte, grinste, lachte, gestikulierte
wild mit seiner freien Hand und lief dabei auf und ab, das war es zumindest was
Miquel sah. Er ließ seine Achseln zucken und sah auf den Monitor. Rund
fünfzehn Stunden mit dem Auto und über ein Tag mit dem Zug. Ja, Lan hatte
recht, das mit dem Auto wäre mehr als nur die bessere Alternative. Miquel hatte
ja ein Führerschein, das war nicht das Problem. Man war er froh, dass man in
Amerika den schon so früh machen konnte, wäre er noch in Spanien müsste er
sehen wie er zurechtkommt, doch zumindest war seine Heimatstadt nicht so weit
weg von Madrid – wo die Schauspielschule sicherlich zu finden gewesen wäre -
und da würde er mit dem Zug schneller sein, aber er war ja nicht mehr in
Spanien. Der Blonde fuhr sich durch das Haar und wand seinen Blick wieder auf
Lan, der immer noch auf und ab ging und wild zu erzählen schien. Er strahlte
bis über beide Ohren. Mit wem er da wohl telefonierte? Miquel wusste es nicht,
wirklich nicht.
„Wir haben ein Auto!“, raunte Lan Miquel ins Ohr und legte seine
Handflächen auf dessen Schultern. Sanften Druck begann er auszuüben und die
Schultern des Älteren damit zu drücken. Er lächelte Miquel an, bevor er los
und sich grinsend auf seinen Stuhl fallen ließ. „Ich hab eben mit meinem
Großvater gesprochen und er leiht uns sein Auto!“ Der Rotschopf grinste
breiter. „Ich bin gut oder?“ - „Aber... das macht er so einfach?
Immerhin... sind das über 800 Meilen, die zu Fahren sind. und er kennt mich
doch gar nicht..“ - „Ach.. er hat mich lieb, weißt du.. da geht das schon
klar!“ - „Aber er weiß doch gar nicht wie ich fahre...“ - „Ach solang
du das Auto nicht verlierst.. oder mich geht das klar! Jetzt müssen wir nur
noch Juanita verklickern, dass du morgen Nachmittag bei mir bist und dort auch
schläfst und den Freitag über auch.. weil ich denke mal vor Samstag sind wir
nicht wieder da! Und Bella hat mir erzählt, dass du eigentlich noch Hausarrest
hast.. also müssen wir das Regeln.“
So wurde alles soweit geregelt und am darauf folgenden Tag wartete Miquel vor
der Schule auf Lan, um mit ihn zu dessen Großeltern zu gehen. Alles war
durchgeplant. Sie würden um 16:00 Uhr losfahren, also hatten sie noch 1 ½
Stunden bis es soweit war. Die Fahrt würde um die 15 Stunden dauern, das hieß
sie wären, mit einer eingeplanten Pause von einer Stunde, um 8 Uhr in New York
am Ziel. Um 10 Uhr hatte Miquel seine Art Vorsprechen, also hätten sie noch
gute zwei Stunden Spielraum, wenn nichts dazwischen kam war alles perfekt
geplant.
Der Blonde lehnte also am Tor, um seine Schulter hatte er eine kleine
Reisetasche hängen. Er wartete auf den anderen, der freudig auf Miquel zu lief.
Lan genoss es, dass er jetzt drei Tage nur mit Miquel hatte. Man würde sich
viel unterhalten und alles würde auf freundschaftlicher Basis ablaufen. Oh man
wie sehr sich der Rotschopf darüber freute. „Da bin ich!“, rief er freudig
und wedelte mit seinem Arm, als er auf den Spanier zuging.  „Na komm...“ Er
hakte sich gleich bei Miquel unter und zog ihn los. Dieser schmunzelte leicht
über dieses Verhalten, ließ sich aber ziehen. Es würde ihn so verdammt schwer
fallen, das alles auf einer freundschaftlichen Basis zuhalten. Sein Herz schlug
jetzt schon unglaublich schnell, einfach nur weil Lan in seiner Nähe war und er
diesen Enthusiasmus sah, der dem kleinen Rotschopf einfach so unglaublich stand.
Er war so hübsch. Doch Miquel würde sich beherrschen.
„Und.. das mit den Auto geht wirklich klar?“, fragte der Blonde noch einmal
nach und legte seinen Kopf leicht schief, während er ihm weiter nachging.
„Ja klar! Ich war gestern Abend noch mal bei meinen Großeltern und das geht
wirklich alles klar!“ Der Blondschopf benickte die Aussage nur und lief neben
Lan her. Er konnte zumindest sagen, dass er nicht wusste wo Lans Großeltern
wohnten, dass hatte er noch nicht ausgekundschaftet.
Schließlich kamen sie vor einem Einfamilienhaus an. Es wirkte sehr typisch für
eine amerikanische Familie und war so, wie man es ihn vielen Filmen sah, schon
auf den ersten Blick äußerst gemütlich. „Warte kurz...“, rief der andere
und rannte hin zu Tür und klingelte. Eine Frau um Mitte 50 öffnete die Tür.
Zu gleich drückte die Lan an sich und sprach mit ihm. Für ihr Alter war sie
eine sehr hübsche Frau. Obwohl man ihr ihr Alter ansah schmeichelte es ihr und
ließ sie sehr sanft und freundlich wirken. Ihr Haar, das ursprünglich vollends
schwarz war, war nun schon an den Ansätzen ergraut, doch auch das schien ihr zu
schmeicheln. Sie sprach etwas mit ihrem Enkel und sah dann rüber zu Miquel.
Dieser hob scheu die Hand und wank ihr kurz zu, worauf sie kurz nickte,
lächelte und ihm selbst zu wank. Dann wand sie sich wieder Lan zu und ging mit
ihm nach drinnen. Verwirrt stand der Blonde da wo er stand. War das jetzt gut
oder schlecht?
„Du fährst mit ihm nach New York oder?“, ertönte plötzlich eine für
Miquel bekannte Stimme hinter ihm. Der Blonde zuckte zusammen und wand sich um.
„E..Enrique...“, sprach er und musterte seinen großen Bruder. „Wo..woher
weißt du das?“, fragte er und Enrique grinste. „Ich wusste es! Du hast da
nämlich was vergessen in deinem Notizbuch!“ Enrique hielt Miquel den Brief
von der Schauspielschule hin und der Jüngere nahm ihn. „Du.. hast.. mein..
Notizbuch..“ - „Und wie ich das habe.... du bist ja total verknallt,
Hermano!“ Nicht das Enrique, das noch nicht wusste, aber es noch mal alles zu
lesen hatte diesen Verdacht oder eigentlich dieser Tatsache noch einmal mehr
bestätigt. So ging er auf Miquel zu und umarmte den anderen Spanier. „Tut mir
Leid, dass er nur Freundschaft will...“ - „Das hast du jetzt aber nicht aus
meinen Notizen..“ - „Nein, das hab ich von Lan!“ Enrique nickte wieder und
der Blauäugige seufzte und knuddelte den anderen leicht. Schlimm genug, dass
sein Bruder sein Notizbuch las, noch schlimmer aber, dass ihn aufgefallen war,
dass er so unkonzentriert war, dass er in seinen Notizen immer wieder aus
versehen Lans Namen geschrieben, den aber durchgestrichen hatte. Okay, ja, wie
hätte ihm das auch nicht auffallen können? Miquel seufzte und löste sich.
„Verpetzt du mich jetzt?“ - „Nein.. weder bei Lan.. noch bei Madre und
Padre... du bist einfach bei Lan und gut ist.. aber.. ich wünsche dir viel
Glück.. und wenn ich irgendwas brauchst.. ruf mich an, okay? Ich muss zur
Arbeit.. und.. lass dir nichts einreden, was du nicht tun willst!“ Der
Ältere, knuddelte seinen Hermano noch einmal und machte sich dann auf den Weg
zu seinem Auto, um zur Arbeit zu kommen. Miquel sah ihn nach und seufzte.
„Danke...“ Ja, so war sein großer Bruder und irgendwie fand der Blonde es
jetzt schade, dass sein Brüderchen nicht mitkommen würde.
„Will er dich verpetzen?“ - „Würde er nie machen...“ Miquel machte eine
kurze Pause bevor er nickte und lächelte Lan an, der hinter ihm aufgetaucht
war. „Gut.. wir können dann los...“ Lan reichte Miquel den Autoschlüssel,
dann ging es hin zu dem bordeauxfarbenen Chevrolet Impala, der in er Einfahrt
stand. „Und ich kann wirklich den fahren?“, fragte der Blonde noch einmal
nach und drehte den Schlüssel in seinen Händen. „Ja klar...“ Lan grinste
und lief mit ihm zu dem Wagen. Er würde Miquel nicht sagen, dass er seinen
Großeltern erzählt hatte, dass er mit Enrique fahren würde. Lans Großmutter
kannte Enrique und deswegen war das alles kein Problem. Es war besser, wenn sie
glaubten, dass er mit Enrique fuhr. Sie kannten Miquel nicht und wenn sie
wüssten, dass er erst sechzehn war und seinen Führerschein auch noch nicht so
lange hatte, dann würden sie ihn definitiv nicht das Auto leihen und so war es
auf jeden Fall besser. Zwar hatte der Rothaarige ein schlechtes Gewissen, ein
verdammt schlechtes Gewissen, aber er wollte mit Miquel eine Freundschaft
aufbauen und deswegen musste er ihm etwas unter die Arme greifen. So hatte er
auch gleich noch etwas Geld für die gebührenpflichtigen Straßen dabei. Alles
war perfekt, auch wenn er eben dachte, als er Enrique gesehen hatte, alles wäre
vorbei, doch er war früh genug wieder weg, als das seine Großeltern ihn sehen
konnten und so konnte es losgehen.
Lan sprang auf den Beifahrersitz und wartete, dass Miquel einstieg. Er zog das
Navigationsgerät aus seiner Tasche, das er bei seinen Eltern hatte mitgehen
lassen. „Also...“; begann er und stellte es an, die Route hatte er am Abend
zu vor noch mal berechnen lassen und die Kürzeste ausgewählt, damit sie
schnell durchkamen. „Ich hab es so geplant.. nach den ersten rund 50 Meilen
machen wir eine Pause.. damit wir mal aufs Klo oder so können.. dann müssten
wir durch Indiana so gut wie durch sein...“ Er nickte und sah Miquel, an der
den Sitz, Spiegel und alles nach sich einstellte. „Und.. wenn wir dann auf der
I-80 E sind.. dann werden wir irgendwo einen längeren Stopp machen, weil dann
müsste es Mitten in der Nacht sein und du solltest wenigstens eine Stunde
schlafen.. dich ausruhen.. weil das anstrengt.. und dann...“ - „Lass uns
doch erstmal soweit kommen.. und dann sehen wir weiter.. außerdem.. kannst du
mir das alles noch erklären, wenn wir unterwegs sind..“ Der Rotschopf der
gerade wieder zum Sprechen angesetzt hatte plusterte seine Wangen etwas auf, als
der Spanier ihn unterbracht, doch er hatte ja recht. Sie hatten 15 Stunden fahrt
vor sich.
Miquel startete den Motor und das Auto schnurrte wie ein Kätzchen, dem Blonden
gefiel das sehr. Er grinste leicht und fuhr aus der Ausfahrt. Sich
vergewissernd, dass nichts kam, fuhr er auf die Straße, als sich auch schon die
Stimme des Navigationsgerätes ertönte: „In 550 Meter, links abbiegen.“

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