Montag, 3. Dezember 2012

A never ending Story – Kapitel 5

Irren ist menschlich
Wütend stürmte Lan die Straßen entlang. Bei jedem Schritt durchzog ihn ein
leichter Schmerz. Er konnte es nicht fassen! Wie konnte Miquel es eigentlich
wagen ihn an zufassen und dann auch noch wenn er betrunken war? Das gab es
nicht. Er wollte nicht auf einer seiner Strichlisten landen auf denen er
wahrscheinlich all die Leute vermerkte mit denen er ins Bett gestiegen war und
die er sich dann sicherlich noch mit seinen feinen Cousin Camilo ansah und
auswertete.

Er konnte sich schon genau vorstellen wie der Blondschopf zu ihm
gehen würde und laut verkündete, dass er ihn nach all den Körben doch noch
flach gelegt hatte und letztendlich würde er diesen Triumph mit einen Fick
seines Cousins feiern. Immerhin war in aller Munde, dass Miquel ja, nicht einmal
vor dem Halt machte. Knurrend bog Lan in die Straße ein in der er wohnte, doch
wie heißt es doch, wenn man vom Teufel spricht. Kein anderer als Camilo Marquez
kam auf ihn zugelaufen. In seinem Blick lag etwas, was Lan nicht einschätzen
konnte. Es war auf jeden Fall Hass darin, dass konnte er erkennen, doch was der
Rest war, war für ihn einfach nur schwer auszumachen.
„Na, Smith, wieder nüchtern?!“, fragte er und Lan konnte die
Geringschätzung in seiner Stimme hören. Hieß das Miquel hatte ihn bereits
kontaktiert? Langsam begann ihm Isabellas Bruder gehörig gegen den Strich zu
gehen! „Ich wüsste nicht was dich das angeht, Marquez!“, zischte er und
wollte an den etwas größeren vorbei, doch dieser hielt ihm am Arm fest. Er sah
ihn ernst in die Augen, bevor er seinen Blick über den Rothaarigen gleiten
ließ. „Hör zu, es ist sicherlich ein offenes Geheimnis, dass du mir ein Dorn
im Auge bist und ich werde dich auch sicherlich nie anfangen zu mögen, doch
Miquel liegt viel an dir und das was Welling gestern abgezogen hat ist auch
nicht die feiner Englische Art. Ich will von dir einfach nur wissen, wie du zu
Miquel stehst, dann bin ich auch gleich wieder weg!“ - „Die kleine Mistratte
kann mir gestohlen bleiben!“, zischte der Kleiner und riss sich los. Er ließ
den Schwarzhaarigen stehen und marschierte weiterhin auf das Haus zu in dem er
wohnte.
Als ob er auch noch gut auf dieses Stricherverschnitt zu sprechen sei! Lan hatte
immerhin so was wie Geschmack! Camilo war doch nicht mehr ganz normal! Doch dann
stockte der Smith. Was hatte Mitch damit zu tun? Lan überlegte, war er nicht
eigentlich am vorigen Tag mit Mitch zusammen gewesen, nach dem er das Dummchen
bloßgestellt hatte? Wieso war er also bei den Marquez’ aufgewacht? Angestrengt
versuchte er sich zu erinnern aber nur Bruchstücke des Abends fielen ihm noch
ein. Er hatte Miquel eins ausgewischt, soweit war er sich sicher und dann hatte
er zusammen mit Mitch angefangen zu trinken doch was kam dann? Nachdenklich hob
Lan seine Hand und führte sie an sein Kinn, als ihn feine Abschürfungen an
seinen Handgelenk auffielen. Der Rothaarige riss die Augen auf, er hatte das an
beiden Händen. Handschellen. Schoß ihm durch den Kopf und er schluckte. Genau!
Mitch hatte ihn mit Handschellen am Bett gefesselt gehabt und er hatte ihn
angebettelt aufzuhören. Lan begann zu zittern. Das bildete er sich nur ein
oder? Er konnte es nicht sagen. Aber er wusste jemand, der das ganz bestimmt
konnte, den immerhin war er vor einer halben Stunde noch bei ihm aufgewacht!
Schnell machte er kehrt und rannte förmlich zurück zu den Marquez’, er
überholte sogar Camilo, der selbst auf dem Weg zu Miquel war.
Ungeduldig betätigte Lan immer wieder die Klingel der Wohnungstür. Warum zum
Teufel wollte ihm keiner öffnen? Endlich! Enrique öffnete die Tür und sah
skeptisch auf Lan. Er hatte mitbekommen, dass der Kleiner zuvor noch völlig aus
gerastet und dann aus der Wohnung gestürmt war. „Lan? Was willst du hier?“
- „Ich will zu Miquel!! Wo ist er!! Los, sag schon es ist wichtig!“ -
„Eh.. Miquel duscht gerade ich glaub nicht das du... LAN!! HEY! Du kannst
nicht einfach ins Bad!“, doch der Älteste der drei Marquez Geschwister hatte
noch nicht einmal richtig ausgesprochen, da war Lan schon im Bad verschwunden.
Erschrocken fuhr Miquel unter der Dusche zusammen als die Badezimmertür ins
Schloss geschlagen wurde. Er sah auf Lan, der an der Tür stand und ihn
fixierte. „Was.. was machst du hier?!“, fragte er den Kleineren und drehte
das Wasser ab, er wollte Lans Antwort auf keinen Fall überhören.
Schluckend stand dieser jedoch an der Tür. Sein Blick glitt über Miquels
Körper und er hatte in seinen Leben noch nicht jemand gesehen der so gebaut
war! Es hieß zwar immer Miquel und Enrique wären sich so unglaublich ähnlich,
äußerlich gesehen, doch wer das behauptete hatte die Beiden noch nie nackt
gesehen! Lan war es sich gewohnt auch mal ins Bad zu gehen wenn Enrique gerade
unter der Dusche stand, also wusste er wovon er redete.
Es dauerte einen Moment bis Miquels frage zu dem Jüngeren durchgedrungen war,
der ihn noch immer fixierte. Um wieder klar zu werden schüttelte er den Kopf
und versuchte angestrengt Miquel ins Gesicht zusehen, das nebenbei bemerkt auch
unglaublich hübsch war. Warum fiel Lan das eigentlich erst jetzt auf? Er konnte
es nicht sagen. „Ich.. Ich muss dich was fragen! A..aber kannst du dir bitte
was anziehen?!“, murmelte der Rotschopf verhalten und wand den Blick ab. Wenn
Miquel sich nichts anzog konnte er nicht mit ihm reden, aber das musste er
unbedingt! Er musste herausfinden was in der letzten Nacht geschehen ist!
„Ja, ja!“, meinte der Blonde und stieg aus der Dusche. Das Wasser lief auf
seiner von Natur aus etwas dunkleren Haut hinab und zog spielerische Bahnen.
Halbherzig trocknete er sich ab, bevor er das Handtuch um seine Hüften schlang
und sich die Haare einfach nach hinten weg strich. „Also was willst du!?“,
fragte der Spanier, man konnte hören, dass er ziemlich ein geschnappt klang und
Lan wollte herausfinden wieso!
„Also... ich bin deinem Cousin begegnet... und er sagte was von Mitch... und
ich hab dann die Wunden an meinen Handgelenken gesehen und hatte so
bruchstückhafte Erinnerungen an letzte Nacht... und.. ich glaub du kannst mir
weiter helfen.. weil.. immerhin war ich heute Morgen ja bei dir...“ Lan sprach
leise, aber sehr schnell. Ihm war das im Moment ausgesprochen peinlich. Er
wusste nicht woran er war und auch nicht was Miquel wusste er erinnerte sich an
vieles der vorherigen Nacht nicht!
„Ach deswegen bist du hier...“, begann Miquel und musterte den Kleineren. Er
ließ sich auf dem Wannenrand nieder, wand seinen Blick aber nicht von Lan ab.
„Mitch wollte dich flach legen. Er hat dich abgefüllt und mit auf sein Zimmer
genommen. Er musste es mir noch einmal vorhalten und da bin ich misstrauisch
geworden, weil du etwas davon hattest, dass du nichts unanständiges machen
willst. Ich bin euch hinterher, wusste aber nicht in welches Zimmer ihr
verschwunden seit. In Mitchs Haus gibt es unglaublich viele Türen! Naja,
jedenfalls hast du dann angefangen laut zu schreien und ich bin in das Zimmer
gerannt, aus dem die Schreie kamen. Mitch war gerade dabei sich an dir vergehen
zu wollen, da hab ich ihn von dir runter gezerrt und zusammengeschlagen. Dann
hab ich dich losgemacht und dich hier hergebracht, weil du nicht nach Hause
wolltest und dann sind wir auf der Couch eingeschlafen. Und dann vor knapp einer
Stunde hast du mich dann als perverses Schwein bezeichnet und bist abgehauen.
Das war dann auch schon alles.“, Miquel sprach sehr schnell und fast so als
würde er sich langsam in Rage reden, doch bevor er diesen Punkt erreicht hatte
war er mit seinen Ausführungen auch schon fertig. In seiner Stimme lag etwas
spanisches, was Lan vorher noch nie wirklich aufgefallen war. Aber das war nicht
das einzige, was zu Lan vorgedrungen war. Durch die knappe Schilderung des
Abends beziehungsweise der Nacht hatte er alles wieder recht klar vor Augen. Wie
er angefangen hatte mit Mitch zu trinken, wie er mit ihm nach oben ins Zimmer
gegangen war, wie er gefesselt da lag und wie Mitch sich an ihn vergehen wollte.
Aber auch, dass Miquel dann aufgetaucht war. Doch er verstand das nicht, warum
hatte der Marquez das für ihn getan? Zwar spürte er im Moment unglaubliche
Dankbarkeit doch, erklären konnte er sich das nicht.
Doch das Lan seine Erinnerungen wieder gefunden hatte hatte auch eine emotionale
Seite, den mit einem lauten Schluchzen war er in die Knie gesackt. Sein Körper
zitterte und er kämpfte stark gegen die in ihm aufsteigenden Tränen an. Er sah
alles so, als wäre es vor wenigen Sekunden erst geschehen und das machte ihm
ungeheuerliche Angst!
„Hey...“, flüsterte Miquel, der die Distanz überwunden hatte und nun vor
Lan kniete. „Es ist nicht schlimmeres geschehen!“, flüsterte er den
Kleineren zu, der sich fast schon panisch über die bis zum Ran mit Tränen
gefüllten Augen fuhr, die im Begriff waren gleich auszubrechen. „Danke!“,
murmelte Lan so leise, dass man ihn kaum verstand. „Ohne dich wäre ich
geliefert gewesen...“ Miquel nickte nur und strich Lan sanft über das rote
Haar. Irgendwie erinnerte Lan Miquel an einen Fuchs. Ja, an einen Fuchs, einen
Fuchs mit einer Feurigen aber dennoch verletzbaren Seele und mit einem starkem
Charakter. 
„Aber...“, fuhr der Kleiner fort und sah den Blonden dieses Mal in die Augen.
„..warum hast du mir geholfen? Ich hab dich vor allen bloßgestellt!“ Miquel
lächelte sanft. „Hast du in deinen Leben schon einmal so viel für einen
Menschen empfunden, dass du dein Leben für ihn bereit warst Kopf zu stellen,
dass du dich wegen ihm mit geliebten Menschen gestritten hast und dass du trotz
heftiger Niederlagen einfach weiter gekämpft hast auch wenn die Sache komplett
aussichtslos schien?!“ Lan schüttelte als Antwort den Kopf, woraufhin Miquel
wieder nur lächelte. Er erhob sich und zog Lan zurück auf die Beine. „Ich
würde jetzt gern fertig duschen.“, sagte er und öffnete die Badezimmertür
und schob den kleineren auf den Flur, in dem Camilo ungeduldig wartend an die
Wand gelehnt stand. Miquel lächelte als er seinen Cousin sah und deutete nur
auf sein Zimmer, in dem dieser kurz darauf verschwand. Dann wendete sich der
Blondschopf wieder Lan zu, der verwirrt hin und her sah. „Und abschließend
noch zu dir. Das ich dir geholfen hab war keine neue Taktik um bei dir zu
landen, ich hab dir geholfen, weil du Hilfe brauchtest. Ich weiß, du kannst
mich nicht leiden, deswegen ändert das nichts an meinen Gefühlen für dich!
Und ich will, dass du weißt, dass ich nicht so schnell aufgeben werde.“, mit
diesen Worten verschwand Miquel wieder im Bad und Lan konnte hören, wie er die
Tür von innen ab schloss.
Der Jüngere war sprachlos. Er konnte nicht fassen was Miquel ihm da gerade
unterbreitet hatte. Langsam begann er daran zu zweifeln, dass der Marquez so ein
Schürzenjäger war, wie alle behaupteten, weil diese Worte eben waren
aufrichtig gewesen, soweit war sich Lan sicher. Er hatte sich, so glaubte er, in
Miquel getäuscht! Doch es gab nur einen Weg das herauszufinden, er musste sich
die Zeit nehmen um den Blondschopf besser kennen zu lernen oder aber er nahm die
leichtere Methode und fragte einfach dessen Schwester! Schon war Lan auf den Weg
zu Isabellas Zimmer, zwar konnte er sich vorstellen, dass seine beste Freundin
noch tief und fest schlief, doch dann musste er sie eben wecken! Sie hatte ihm
jetzt gefälligst Rede und Antwort zu stehen! Einen letzten Blick warf er in
Richtung Bad, bevor er das Zimmer betrat. „Es tut mir Leid...“, flüsterte
er bevor in dem abgedunkelten Zimmer verschwand. Auch wenn Miquel es nicht
gehört hatte, so hatte er es zumindest gesagt.
Mit einem Handtuch um die Hüften kam Miquel in sein Zimmer in dem sein Cousin
schon ungeduldig auf ihn wartete. Er wollte unbedingt wissen was zwischen Lan
und Miquel vorgefallen war! Schon die ganze Nacht hatte er wach gelegen und sich
Frühs gleich auf den Weg zu seinen Verwandten gemacht. Er war kein neugieriger
Mensch aber irgendwie der festen Überzeugung, dass ihm diese Sache doch etwas
anging, denn immerhin ging es hier um Miquel und sie waren ja, immerhin mal so
etwas wie ein Paar im übertragenen Sinne gewesen!
„Also, erzähl mir was da letzte Nacht so alles passiert ist und warum Smith
bei dir im Bad steht, während du so gut wie nackt bist!“ Plötzlich schnurrte
Camilo, denn erst jetzt war ihm aufgefallen wie wenig Miquel eigentlich gerade
an hatte. Er konnte nicht leugnen, dass er von dem Älteren genommen werden
wollte und auch nicht, dass er sich seinen Geburtstag schon perfekt ausgemalt
hatte und bis zu diesem waren es immerhin noch dreizehn Tage!
„Wenn du es unbedingt wissen willst...“, antwortete Miquel genervt, während
er sich zu seinem Schrank begab und sich eine Shorts heraus nahm. Währenddessen
begann er seinem Cousin genauestens vom letzten Abend und auch vom morgen dieses
Tages zu erzählen. Neugierig lauschte ihm der Jüngere, während sein Blick
schon beinah aus gehungert über Miquels Körper wanderten. Zwar hatte er sich
in der letzten Nacht unbeschreiblich gut vergnügt, doch es ging niemand über
die Künste seines Cousins. Miquel stand bei ihm immer ganz oben in der Liste.
„Krasse scheiße!“, murmelte Camilo und sah zu dem Blonden, der mittlerweile
neben ihm auf dem Bett saß. „Das hab ich Welling echt nicht zu getraut!“ -
„Naja, irren ist menschlich, so sagt man doch, nicht?!“, fragte Miquel und
der Schwarzhaarige nickte. „Ja, stimmt schon. Aber du scheinst ihm echt das
Nasenbein gebrochen zu haben. Er kam dann später wieder zurück auf die Party,
war kein schöner Anblick. Aber ich glaub er hat schiss, dass Smith mit der
Sache zu den Bullen geht, weil er wollte auf Teufel komm raus nicht mit der
Sprache raus rücken wie es dazu kam das man ihn verprügelt oder es ist ihm
einfach peinlich wie du ihn zugerichtet hast! Immerhin ist er ja der Kapitän
des Footballteams, das ist ihm sicher peinlich!“, Camilo begann zu lachen und
Miquel lächelte nur matt. Polizei war eigentlich eine Idee, er sollte das Lan
vorschlagen.
Ja, Lan. Miquels Gedanken waren schon die ganze Zeit bei dem Kleineren. Er war
ihm dankbar gewesen, dass er ihm geholfen hatte und Miquel hatte ihm mal wieder
versucht klar zu machen, wie viel er eigentlich für ihn empfand, jedoch war er
sich nicht sicher ob das bis zu dem Rotschopf durchgedrungen war.
Gedankenverloren strich sich der Blonde durch das Haar. Wenn er Lan wieder sah
würde er ihm um ein Date bitten, vielleicht sagte der Jüngere ja dieses Mal
ja? Ein verhaltenes Seufzen verließ ihn. Irgendwie kam er sich vor als dreht er
sich so ziemlich im Kreis.

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