Montag, 3. Dezember 2012

A never ending story – Prolog

Hohe, gewölbte, Glasdecken; Schwache, Regenbogen-farbene Beleuchtung und die
Flaggen der Welt in einer langen Reihe aufgehängt. Tausende Eindrückte
prasselten auf den Teenager ein, der -sich neugierig umschauend- seinen Koffer
hinter sich herzog und durch die großen Hallen lief. Er war vor ein paar
Minuten erst hier in Chicago, im O'Hare International Airport, gelandet und
konnte es noch gar nicht glauben endlich hier zu sein. Er würde ab jetzt bei
seiner Familie in Amerika leben.  In Joliet, dass zirka eine Stunde von Chicago
entfernt lag, wohnen, auf die Joliet Central High School und vor allen Dingen
seine Familie wieder sehen.


Wegen einer dummen Sache war er ein halbes Jahr länger als seine restlichen
Familien Mitglieder in Spanien geblieben und hatte nicht gerade eine schöne
Zeit, doch das war jetzt vorbei. Endlich würde er sie alle wieder sehen
können. Seine Mutter, seinen Vater, seinen Bruder und seine nervige, kleine
Schwester. Er konnte gar nicht ausdrücken wie sehr er sich freute.
Er fuhr sich durch das naturblonde, leicht gegelte Haar, seine wunderschönen,
blauen Augen sahen sich suchend um. Irgendwo hier mussten sie doch sein.
Immerhin hatten sie ihm versprochen ihn abzuholen.
Den Kopf in die Hand gestützt, saß der Teenager vor dem Airport auf seinen
Koffer und wartete. Vor drei Stunden war er gelandet und bis jetzt war noch
keiner seiner Familie aufgetaucht um ihn abzuholen. Er konnte es nicht glauben,
sie hatten ihn einfach vergessen.
„Miquel!! Hermano!“, rief plötzlich eine dem Blonden bekannte Stimme und er
hob seinen Kopf. Sein fast identisches Ebenbild kam auf ihn zu gerannt und
Miquel erhob sich. „Enrique! Ich warte seit drei Stunden!“ - „Ja, tut mir
Leid ich hab es so halb vergessen!“ - „Ja, das hab ich gemerkt!“, zischte
Miquel, der jüngere , etwas kleinere, aber muskulösere der beiden Blonden und
fuhr sich erneut durch das Haar.  „Perdoname, Hermano!“, sprach der Ältere
und griff nach dem Koffer seines Bruders. Die ganze Zeit über unterhielten sie
sich auf Spanisch. Auch wenn Miquel wusste, dass er sich in der nächsten Zeit
in Englisch verständigen musste, war es ihm angenehmer mit seinen Bruder in
seiner Muttersprache zu reden. 
Seit dem sie klein waren unterhielten sie sich in dieser Sprache. Allein die
Vorstellung jetzt mit ihn einen andere Sprache zu sprechen kam ihn so
unglaublich fremd vor. Doch der jüngere der Beiden war sich bewusst, dass dem
wahrscheinlich nicht lang so bleiben würde, denn wenn er jetzt jeden Tag
Englisch sprach, dann würde er sich sicher das auch bei seiner Familie an zu
gewöhnen. Auch wenn er hoffte, dass ihm das nicht geschehen würde. Miquel
liebte seine Muttersprache, sie passte einfach zu ihm, denn immerhin war er
Spanier. Doch jetzt war er in Amerika, er würde in diesen Land leben und sich
hier seinen Traum widmen. Dafür lebte er. Es würde nichts geben, was ihn von
seinen Ziel abbringen würde, dem war sich gewiss. Er würde seinen Traum
erfüllen und Schauspieler werden. Nichts würde ihn davon abhalten können.
Eine Woche lebte der Miquel Marquez nun in Joliet. Seine Mutter, die er
liebevoll Madre nannte, war die meiste Zeit nur daran ihn zu knuddeln. Bei jeder
Gelegenheit sagte sie ihm, dass sie ihn vermisst hatte, dabei war sie es gewesen,
die gesagte hatte, dass er länger in Spanien bleiben musste. Doch er konnte ihr
nicht böse sein. Sie hatte ihn in den Wissen zurückgelassen, dass er gut
behütet sei und zumindest auf verdrehte Art und Weise war er das gewesen.
Seit drei Tagen ging er auch zu Schule, schon nach dem ersten Tag war er
überall in aller Munde gewesen. Lehrer, Schüler und Schülerinnen war er zu
einen Begriff geworden, dabei hatte der Blonde, seines Wissens nach, nicht
einmal viel zu bei getragen.
Miquel war in derselben Klasse wie sein Cousin Camilo. Er war zwei Monate
Jünger als Miquel, hatte schwarzes Haar und grüne Augen. Er war der Sohn des
Bruders von Miquels Vater, Manuel. Sie waren zuerst nach Joliet gezogen und
hatten den Eltern des Blonden den Anstoß dazu gegeben ihnen zu folgen. Der
Blauäugige war froh, dass er ihn in seiner Klasse hatte, so hatte er zumindest
eine Person, die auf seiner Wellenlänge war und konnte sich mit jemand in
seiner geliebten Muttersprache unterhalten. Auch Isabella, Miquels Schwester,
ging auf diese High-School. Sie sprach andauernd von einem Jungen, ihren besten
Freund, doch der Blonde hatte ihn noch nicht kennen gelernt. Er lag mit Fieber
im Bett und hasste es, laut Bella, wie die Pest. Der Marquez verstand nicht
genau warum, doch er war sich auch nicht sicher, ob er das so genau wissen
wollte.
„Miquel!! Warte doch!!“, keuchte der Schwarzhaarige und lief seinem Cousin
nach. Dieser bog gerade in einem Affenzahn auf den Schulhof ein. „Keine Zeit
Camilo!!“ Der Gleichaltrige schloss zu dem Blonden auf und sprach keuchend:
„Seit wann hast du es so eilig zur Schule?! Und erst recht zu Mathe!! Du hasst
das Fach!!“ - „Ab heute ist aber der Mathematikdozent da!! Und der ist zum
anbeißen!!“ Der etwas Kleinere lachte und hielt sich die Seite die begann zu
Schmerzen. Wer mal gesagt hatte reden beim Rennen verursacht Seitenstechen hatte
vollkommen recht!! Mit einer Vollbremsung kamen Miquel und sein Cousin vor dem
Klassenraum an. Beide atmeten schnell und unregelmäßig. Vorsichtig öffnete
Miquel die Tür doch zu seinem Entsetzen war der Raum leer. Sein Blick glitt
durch das Zimmer und als er an der Tafel hängen blieb musste der Blonde lachen.
„Camilo, hör dir das an: An die werten Herren Marquez! Falls Sie sich heute
noch in dem Zimmer einfinden sollten, begeben Sie sich zur Aula! Dort findet
eine kleine Willkommensfeier für Herrn Johnson statt. Ist das nicht toll?! Wir
werden namentlich erwähnt!!“ - „Du kannst dich auch über jeden Scheiß
freuen, Miquel!!“ - „Tzz, das ist wie auf einem Filmplakat!!“ Der
Schwarzhaarige lachte und machte sich mit seinem Cousin auf den Weg zur besagten
Aula. „Du und dein rumgespinne!! Ich sage dir doch, du wirst nie
Schauspieler!! Dafür bist du einfach zu blond!! Modelle dazu hast du das
aussehen und das reicht auch!!“ - „Nein! Ich werde wenn schon Schauspieler!!
Und damit du mir glaubst schleppe ich dich auf die erste Premierenfeier mit, die
ich haben werde!“ Der Gleichaltrige lachte. „Okay, Miquel! Deal!!“ Der
Blonde grinste und klatschte seinem Cousin auf den Arsch. „War so klar, dass du
bei so was zu sagst!!“ - „Tzz“, Camilo zog Miquel näher zu sich, als an
ihnen jemand vorbei zischte, diesen Jemand rannte Miquels kleine Schwester
Isabella hinterher, was den Marquez neugierig machte. Er drückte den
Schwarzhaarigen von sich und lief seiner Schwester nach. „Yo, Isabella! Was
gibt’s?!“ Keuchend kam die Brünette vor der Aula stehen und sah den Blonden
an. „Miquel?! Müsstest du nicht jetzt schon da drin sein?!“ Sie deutete auf
die Tür und der Älter ließ die Achseln zucken. „Hab verschlafen!!“ -
„Mio dios!“, meinte diese und sah zu dem jemand, der seinen Blick über
Miquel gleiten ließ. Auch der Blonde sah in die Richtung und ihm blieb für
einen Moment der Atem weg. Blau trat auf Braun und obwohl dies nur den Bruchteil
einer Sekunde dauerte, kam es Miquel vor wie eine Ewigkeit. Der  Körper des
Älteren schien zu elektrisieren, er war hin und weg.
„Was starrst du so?!“, fragte der Jüngere schnippisch und erst jetzt viel
Miquel auf, dass er gar nicht träumte sondern sich mitten im Schulgebäude vor
der Aula befand. „Ich bin hin und weg!“, meinte er wahrheitsgemäß und ging
auf den Jüngeren zu. Er griff nach dessen Hand und benetzte sie mit einem
Handkuss. „Miquel Marquez! Es ist mir eine unsagbare Freude!!“ Der
Rothaarigen zog seine Hand zurück, wischte sie sich an seiner Hose ab und
wendete sich Isabella zu. „Los komm, wir sind eh schon zu spät!“, meinte er
zu ihr und zusammen betraten sie die Aula. Der Blick des Blonden glitt zu dem Po
des Fremden und er begann zu schnurren.
„Miquel?! Miquel!!“ Camilo wackelte mit der Hand vor dem Gesicht des Blonden
rum, der dem Jüngeren so lang nach sah, bis er sich mit Isabella setzte. „Ich
glaub ich bin verliebt!“, hauchte er und seine Kehle verließ ein wolliges
Seufzen.


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