Montag, 3. Dezember 2012

A never ending Story – Kapitel 1

Der beste Freund der Schwester
Genervt verdrehte Camilo die Augen und boxte seinen Cousin in die Seite. „Hör
auf so einen Mist zu reden und lass und reingehen! Immerhin wolltest du Johnson
doch unbedingt sehen!“ - „Hn...“, murmelte der Blonde geistesabwesend und
zusammen betraten die beiden Marquez' die Aula. Sie saßen in einen ganz
anderen Blick als Miquels Schwester und deren Begleiter und dennoch war sich
Miquel sicher, dass er ihn noch sehen konnte. Ungeduldig streckte er seinen Kopf
und versuchte ihn auszumachen, doch richtig sehen konnte er nichts. 

Der Direktor begann eine Ansprache zu Ehren des neuen Mathematiklehrers zu
halten, der keiner der Schüler wirklich Interesse schenkte. Hier und da konnte
man aufgeregtes tuscheln hören. Viele der Mädchen kicherten hinter
vorgehaltener Hand über den neuen Lehrer und dessen gutes Aussehen. Viele waren
überhaupt nur deswegen hier, weil sich herum gesprochen hatte, dass es einen
weiteren gut aussehenden und vor allem jungen Lehrer an der High-School. Auch
Miquel Marquez war aus diesem Grund überhaupt erst zu der Willkommensfeier
gekommen, doch sein Interesse an den neuen Lehrer hatte er dank einer für ihn
wunderschönen Begegnung vor der Aula schon wieder vergessen. „Camilo?!“,
säuselte er und beugte sich hinüber zu seinen Cousin. Immerhin kannte sich der
Schwarzhaarige hier besser aus als er, als konnte er ihm sicher dabei helfen,
ihm zu sagen wer der Fremde war. „Was willst du, Miquel!?“, antwortete
dieser jedoch recht beleidigt und funkelte den Älteren aus seinen grünen Augen
heraus an.
Camilo konnte sich schon vorstellen, was sein Cousin ihn fragen wollte und es
behagte ihm ganz und gar nicht! Es war ein offenes Geheimnis, dass die beiden
Cousins seit Jahren eine feste Abmachung hatten, die besagte, dass die Beiden,
wenn sie gerade in keiner Beziehung steckten oder ernsthaft verliebt waren, sich
miteinander genüge taten. Es war nicht so, dass Camilo in den Blonden verliebt
war, doch er mochte das was sie miteinander hatten. Es gab ihm immer das
Gefühl, dass da jemand war dem er etwas bedeutete und sein Cousin und
gleichzeitig bester Freund gab ihm das Gefühl schon seit Jahren. Er konnte
immer zu Miquel kommen, wenn ihn etwas auf der Seele brannte und ihm sein Herz
ausschütten. Zwar musste Camilo zugeben, dass er damals unsterblich in den
Blonden verliebt gewesen war, als er diesem diesen verruchten Pakt angeboten
hatte. Er hatte gewusst unter andern Umständen hätte der Ältere nie
eingewilligt und ihre Freundschaft wäre in einem schlichten
Verwandtschaftsverhältnis untergegangen. Auch wenn diese Gefühle mittlerweile
Geschichte waren, wollte Camilo nicht so einfach, dass sich ihre Verbindung, die
sie erst seit ein paar Tagen wieder auf erlebt hatten lassen, gleich wieder
zerbrach und schon gar nicht für diesen Typen, den Miquel aus unergründlichen
Gründen so verdammt verfallen zu sein schien, dabei hatte er ihn doch vor ein
paar Minuten das erste Mal gesehen.
„Mein liebster, Cousin!“ - „Du hast ja auch nur zwei!“ - „Ja, aber ich
mag dich nun mal mehr als dein Bruder! Wo war ich.. ach ja! Mein liebster,
Cousin, würdest du mir vielleicht sagen, wer das bei Isabella war?!“ Genervt
ließ Camilo die Augen rollen. Hatte er es nicht vor herkommen sehen? Das war
genau das, was Miquel wissen wollte, er kannte den Blonden eindeutig schon zu
lang! „Smith.“, war Camilos knappe Antwort, bevor er wieder nach vorn
starrte und so tat als würde er zuhören.
Miquel hingegen war zufrieden, er hatte zumindest schon mal einen Nachnamen,
auch wenn ihm dabei nicht bewusst zu sein schien, wie oft es diesen Nachname in
Amerika gab. Er musste nachher nur noch seine Schwester und diesen Smith abfangen
und der Rest würde sich so schon ergeben! Immerhin war er ja nicht von
vorgestern! Er, Miquel Marquez, würde das Kind schon schaukeln!
Die Willkommensfeier war schließlich endlich vorbei und die Schüler durften
nach Hause gehen. Für Miquel ein perfekter Tag! Erst länger schlafen, wenn
auch unbeabsichtigt, dann den Traum seiner schlaflosen Nächste treffen und dann
auch noch eher nach Hause! So sollte jeder Tag laufen! Grinsend, verließ Miquel
mit Camilo die Aula, der sich bei ihm eingehakt hatte.
„Gehen wir nachher noch ein Eis essen?!“, fragt Camilo den Älteren und
musterte ihn dabei. Miquel war wahrlich ein Exot unter den Spaniern. Die blonden
Haare und die blauen Augen passten sogar nicht in das Südländische Feeling und
schon gar nicht wenn man seine Eltern kannte. Doch die blonde Ader lag
unbestreitbar in der Familie! War es doch sein Vater der ebenfalls blond war,
zwar nicht so blond wie im Vergleich Enrique und Miquel, aber blond! „Ich
weiß nicht.. vielleicht!“, murmelte Miquel und ließ seine Saphire über die
Schüler gleiten. Irgendwo musste seine Schwester doch sein! Das gab es doch
nicht!
Doch dann Miquels nachdenkliches Gesicht hellte sich auf, Jackpot! Keine zehn
Meter von ihm entfernt standen seine Schwester und dieser Smith. Na dann mal los!
„Ich muss dann mal. Ich ruf dich an, wegen den Eis!“, sagte der Blonde
lächelnd und küsste seinen Cousin halbherzig auf die Wange, denn im nächsten
Moment war er schon dabei auf seiner Schwester und deren Begleiter zuzugehen.
„Yo, Hermana!“, meinte er kurz darauf und kam direkt neben den Beiden zu
stehen.
„Miquel?!“, fragte Isabella und musterte ihren Bruder. „Was willst du
hier!?“ Ungestüm ignorierte der Blonde die Frage seiner rassischen Schwester
und wand sich ihren Begleiter zu. Sein Haar war in einen so dunklem Rotton, das
man es schon wieder als Burgunder bezeichnen konnte und in einen Zopf nach
hinten gebunden. Seine Augen waren eine Mischung aus Bernstein und Schokolade,
was Miquel irgendwie Appetit auf seinen gar so heiß geliebten Schokoladenkuchen
machte. Sein Körperbau war eher zierlich und doch gab es im Gesamtbild eine
solche Schönheit ab, dass sogar Aphrodite dagegen neidisch werden würde.
Ein wonniges Seufzen verließ Miquels Kehle. Wenn er sich den Mann seiner
Träume vorgestellt hatte war er alles gewesen, nur nicht so wundervoll wie
dieser Junge hier vor ihm! Vielleicht war es ja verrückt an so etwas zu
glauben, aber der Marquez glaubte an Liebe auf dem ersten Blick! Erst an diesem
Tag wurde ihn bewiesen, dass es sie gab. „Ich hatte gehofft, dass ich deinen
Namen noch erfahre!“, sagte er schließlich sanft und lächelte den
Rothaarigen an.
Dieser musterte Miquel skeptisch. Es war das erste Mal, dass er den zweiten
Bruder seiner besten Freundin in real sah. Er hatte bis jetzt immer nur durch
hören sagen von ihm erfahren gehabt und eigentlich sagten immer alle er sähe
aus wie Enrique, doch es gab kleine Feinheiten, die die Brüder vollkommen
unterschieden! „Lan Smith. Zufrieden?!“, antwortete der Kleiner, während er
Miquel mit einen überlegenen Grinsen auf den Lippen ansah. Was auch immer der
Blondschopf von ihm wollte, Lan wusste genau, dass er es nicht bekommen würde.
„Lan, also?!“, wiederholte Miquel und sah den Jüngeren noch immer an.
Selten hatte er jemand gesehen, dessen bloßer Anblick ihn so berührt hatte. Es
war das erste Mal das er wirklich mit ihm sprach und vor ihn stand, dem was ihn
über ihn gesagt wurde hatte er eh kaum Beachtung geschenkt, doch jetzt könnte
er sich dafür schlagen! Nie hätte er gedacht vor so jemand zu stehen, der ihn
dermaßen umhauen würde! Nie in seinen Leben!  „Ich weiß, wir kennen und
nicht, aber.. würdest du vielleicht mal mit mir ausgehen?!“ Erwartend blickte
der Ältere auf Lan. Ungeduldig wartete er auf die Antwort, der erst vor
Sekunden gestellten Frage. Er konnte es gar nicht abwarten zu hören was der
Rothaarige dazu zu sagen hatte.
„In einer Million Jahren nicht!“, war die Antwort Lans, der sich bei Bella
einhakte und sie weg von Miquel zog, der ihnen verdattert nach sah. Es brauchte
einen Moment, bis er sich wieder gefangen hatte und den Smith nach rief: „Eine
Million Jahre? Das schaff ich! Denk nicht, dass ich so schnell aufgebe! Dafür
bist du viel zu wertvoll!“ Der Marquez benickte seine Aussage und machte sich
auf den Heimweg, nicht ahnend, dass dein letzter Ausspruch dafür gesorgt hatte,
das Lan Smith die Röte ins Gesicht geschlichen war.
Nachdenklich kratzte der blonde Spanier eine feine Schicht mit den Löffel von
seinem Schokoladeneis ab und führte sich den Löffel zum Mund, nur um dann für
einen Moment an dem kühlen Metall zu saugen um auch jegliche Schokolade
aufzunehmen. Er war sich sicher, dass er Lan nicht das letzte Mal gesehen hatte,
immerhin war er der beste Freund seiner Schwester, doch er war sich vollkommen
unsicher, wie er es anstellen sollte, den Jüngeren besser kennen zu lernen,
denn dieser schien komplett abzublocken. Leise murrend nahm er einen neuen
Löffel voll Eis und schob sich diesen in den Mund.
„Ich hab gehört du hättest einen Korb bekommen?!“ - „Und wenn schon!“,
wieder murrte der Marquez, bevor er seinen Cousin ansah, der ihm gegenüber
saß. „Ich finde es ja echt toll, dass du dich darüber so amüsierst!“
Camilo begann zu lachen und schob sein Eis ein wenig zur Seite. „Du würdest
auch lachen, wenn ich hinter dem größten Flittchen der Schule herlaufen würde
und mir das auch noch einen Korb geben würde!“ - „Erzähl doch nicht so
einen Schwachsinn!“, fauchte Miquel und ging in eine leichte Angriffsposition
über. „Schwachsinn? Miquel, mein Lieber Gabriel, das ist die volle Wahrheit!
Lan Smith ist das größte Flittchen der ganzen Schule! Was glaubst du versteht
er sich so gut mit deiner Schwester?!“, fragte der Schwarzhaarige grinsend und
griff wieder nach seinen Eis. „HALT DIE FRESSE!“, schrie Miquel jedoch
unerwarteter weise. Sein ganzer Körper war in Angriffsstellung gebracht wurden,
seine Augen zu flachen Schlitzen zusammen gezogen und sein Atem schnaubte.
Camilo schluckte, so wütend hatte er seinen Cousin schon lang nicht mehr
gesehen.
„Ich weiß ich kenne Lan nicht, doch ich habe Menschenkenntnis und ich kenne
meine Schwester! Sie gibt sich nur mit Menschen mit Charakter ab die auch was im
Köpfchen haben und ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Lan genau
so ein Mensch ist! Ich würde mich schwer täuschen, wenn dem nicht so
wäre!!“, das Knurren in Miquels Stimme war nicht zu überhören, genauso
wenig wie der leichte spanische Akzent, der sich mit hinein mischte, denn so in
Rage vergaß Miquel vollends sich darauf zu konzentrieren akzentfrei zu
sprechen. „Und wage es dir ja nie wieder so über meine Schwester zu
sprechen!! Ich weiß sie ist keine Unschuld vom Lande, doch das gibt dir noch
lange nicht das Recht, sie als Flittchen zu betiteln!“ Mit diesen Worten
rauschte Miquel aus dem Café und ließ einen verdutzten und gleichzeitig
eingeschüchterten Camilo zurück. 
Nach dem sich der erste Schock gelegt hatte, schob Camilo frustriert sein Eis
beiseite. Er kannte Miquel und eins war für ihn nach der Aktion klar, der
Ältere hatte sich Hals über Kopf in Lan Smith verliebt. So ungern er es zugab,
doch das passte ihm so gar nicht in den Kram. Miquel war jetzt schon so
unglaublich überzeugt von diesem Jungen, dass es für ihn ein unmögliches
Schien da noch etwas daran zu ändern und dabei kannte er Smith noch nicht
einmal und hatte gerade ein paar Wörter mit ihn gewechselt. Doch es gab da
immer noch Seiten an Miquel die er verdammt gut zu manipulieren wusste und
spätestens nach dem nächsten Korb, der unvermeidlicher Weise kommen würde,
würde er Miquel für sich zurück erobern, zumindest so lang, bis er sich
selbst verlieben würde und selbst wenn es nur dafür sei Lan Smith eins
reinzuwürgen. Er konnte diesen Jungen einfach nicht leiden! Er nahm sich zu
viel heraus und auch so immer das was er, Camilo Antonio Marquez, eigentlich
haben wollte! Es würde Miquel zwar wehtun, doch dieser würde über den
rothaarigen Schönling hinwegkommen, dem war er sich sicher.

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