Sonntag, 6. September 2015

A never Ending Story - Kapitel 17

Kapitel 17: Drehungen und Wendungen

“Vollidiot!”, brummte Lan seinen Freund an, auch wenn er mehr grinsen musste, als wirklich auf ihn sauer zu sein. Eigentlich war Lan ja auch unglaublich froh, dass er hier war. Er beugte sich nach vorn, wobei er seinen Kopf leicht nach links kippte, um nicht mit Miquel zu kollidieren. Sanft legte er seine Lippen auf diese weichen Kissen, die Miquel besaß und fing an seine eigenen dagegen zu bewegen. Es sollte nur ein sanfter Kuss sein! 
Immerhin knieten sie vor offenen Fenster und unverschlossener Tür mitten auf dem teuren Teppich, doch die Beiden konnten ihre Finger nicht so ganz voneinander lassen. Wobei Lans Hände eher den Weg über Miquels Nacken zu seinem Rücken suchten, waren die Finger von Miquel schon unter dem Shirt von Lan und erkundeten seinen Bauch. Er spürte wie der Jüngere die Bauchdecke nach innen zog, als er ihn dort berührte und musste in den Kuss grinsen. Seine Hände fuhren nach hinten zu seinen Po, zog ihn dabei auf seinen Schoß und legte den Kopf leicht in den Nacken, da Lan nun mit den Kopf höher war als er. Gierig trafen sich ihre Lippen immer wieder und vielleicht lag es daran, dass sie beide mitten in der Pupertät steckten, doch die ganze Situation erregte sie stark.
Vor allem Lan fühlte sich, wie als würde sein ganzer Körper unter Strom stehen. “Hnn…”, keuchte er gegen Miquels Lippen und fing dann auch schon damit an, an dem Stück Stoff zu ziehen, das Miquels Haut verdeckte. Jetzt sollte doch alles erfüllt sein, was Miquel wollte. Weit weg von Isabella und noch irgendwas anderes. Es war sicherlich nicht so wichtig.

Plötzlich hielt Lan inne. Da näherten sich Schritte seiner Zimmertür. “Weg, weg, weg!”, zischte er ihn leise zu und schlug beinah hysterisch den Blonden von sich und sprang auf. Lan sah an sich runter. Seine Hose spannte eindeutig an einer gewissen Stelle, doch darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. “SHH!”, zischte er Miquel an, der gerade den Mund auf machen wollte und zog ihn hastig auf die Beine. “Raus, raus, raus!” Er schob seinen Freund eilig zum Fenster und deutete nach draußen. “Los! Hau ab! Schnell!”
Da klopfte es auch bereits. Ohne weiter darüber nach zu denken, gab Lan Miquel einen Schubs, donnerte das Fenster zu und warf sich auf sein Bett. Es war Rascheln und ein dumpfer Aufschlag zu hören, doch darum konnte sich Lan gerade nicht kümmern!
“J..ja?” Immer wieder glitt sein Blick zum Fenster. Man sah nicht, dass es auf gewesen war! Oder? Nein? Gut!
Die Tür öffnete sich und sein Vater Blake steckte den Kopf in den Raum. “Können wir kurz reden?” Lan nickte unsicher und schielte immer wieder zum Fenster, doch man sah wirklich nicht, dass da gerade noch jemand durch geklettert war.
“Sei deiner Mutter mich sauer, ja? Du weißt, dass sie von dieser… Gesinnung nicht viel hält… und dann bringst du auch noch den vorlauten Kerl mit her! Das war keine besonders gute Idee!”
“Das habe ich auch gesagt…”, nuschelte Lan, der gar nicht mitbekam, dass sein Vater versuchte sich auf einer Stufe mit ihm zu unterhalten. Versuchte irgendwie auf ihn einzugehen. Lan konnte gerade nur an das Fenster denken! An das Fenster und Miquel. Oh Gott, er hatte seinen Freund gerade aus dem Fenster geworfen!
“...Was ich sagen wollte, wenn es dir hilft, dann kannst du gern eins, zwei Tage bei den Mar-” Irritiert spürte Blake nur wie Lan, wie ein Luftzug an ihm vorbei sauste. “Ehm..?”
Lan war aufgesprungen und aus dem Zimmer gerannt. Er hatte seinem Vater alles andere als zugehört und konnte gerade nur noch dran denken, dass er Miquel aus dem Fenster geworfen hatte. Auf den Weg nach draußen, ließ er auch die Haustür auf und rannte einfach nur um das Haus herum.
Als er um die Ecke bog, sah er wie Miquel halb im Busch saß und sich mit beiden Händen das linke Bein hielt.
“Tut mir Leid, tut mir Leid, tut mir Leid!”, warf Lan zugleich ein und kniete sich vor Miquel, der ihn fassungslos und mit schmerzverzerrtem Gesicht ansah. “Du hast mich aus dem Fenster geworfen!” Man hörte ihn die Fassungslosigkeit wirklich an!
“Ich weiß, sorry.. sorry… tut dir was weh?”; fragte er nach und legte die Hände an Miquels Bein, der vor Schmerz aufschrie.
“Shit… shit.. shit.. sorry…” Lan wusste nicht, was er tun sollte. “Ich.. ich.. warte hier!” Er sprang wieder auf und rannte nach drinnen und hoffte, dass sein Vater noch in seinem Zimmer war und kollidierte mit ihm auf der Treppe. “Du.. schnell! Miquel… sein Bein!”, stammelte er und zog heftig an dem Ärmel seines Vaters. “Schnell.. er darf nicht.. ihn… schnell!” Er zog seinen Vater nach draußen.
Blake stolperte ihn mehr oder minder nach. Er wollte eh schauen, wo der Schrei her gekommen war, doch so wie es aussah war sein Sohn mal wieder bestens informiert.

Blake stand vor dem Jungen, den Lan als seinen Freund vorgestellt hatte, einem Busch, seiner Hauswand und seinem total aufgelösten Sohn. Er sah sich die einzelnen Fragmente mal im Zusammenhang an und er konnte sich ungefähr vorstellen, was passiert war. Der Schwarzhaarige ging vor Miquel in die Knie und tastete sein Bein ab, wobei dieser immer wieder aufkeuchte und schmerzliche Laute von sich gab.
“Tut dir sonst noch was weh?”, fragte er nach und sah Miquel in die blauen Augen.
“Nein…”
Der Chefarzt nickte und deutet Lan auf die andere Seite zu gehen. “Wir bringen dich jetzt ins Krankenhaus… Lan stützt dich von drüber und ich von hier, ja? Auf drei stehst du auf. Eins. Zwei. Drei!” Er hob mit Lan zusammen Miquel auf die Beine. “Nicht auftreten mit links!”, erklärte er und so brachten sie den Blonden zum Rücksitz von Blakes Auto. Sie setzten ihn hinten rein und Lan rutschte gleich neben ihn und drückte fest Miquels Hand, während er immer wieder sich leise bei ihm entschuldigte. Das Bild in Blakes Kopf, was passiert war wurde immer klarer! “Ich hole eben meine Brieftasche und einer von euch informiert seine Eltern! Das Auto dort muss abgeholt werden un am besten er dann auch aus dem Krankenhaus!” Damit warf er die Tür ins Schloss und begab sich nach drinnen.

“Tut mir Leid! Ich war in Panik!”
“Du hast mich aus dem Fenster geworfen… was wäre, wenn wir an einem Bahnsteig gestanden hätten?” Miquel war immer noch total entsetzt von der Situation, noch dazu kam, dass sein Bein einfach nur unglaublich schmerzte. “Na toll…. ich glaube die Profisportlerkarriere kann ich jetzt vergessen!”
Lan hielt inne und als er sah, dass Miquel ihn anlächelte und irgendwie versuchte, trotz seines Entsetzens, ihn aufzuheitern konnte er nicht anders als ihn zu küssen. “Tut mir Leid… ich.. werde dir jetzt ganz viel gutes tun!”
Miquel fing wieder an zu grinsen. “Ich bezweifele, dass es eine gute Idee ist, dass du mit einen bläst, wenn dein Vater doch gleich wieder da- AUA!” Er hielt sich die Rippen. “Ist das irgendein Fetisch?”
“Ach sei ruhig!” Lan murrte und sah auf seine Hände. Erst schubste er ihn aus dem Fenster und jetzt schlug er ihn gegen die Rippen obwohl Miquel schon genug weh tat. Er sollte das wohl besser lassen!
Miquel rieb sich die Rippen, zumindest lenkte es etwas von dem Schmerz ab, den er in seinem Bein hatte. “Rufst du bei Enrique an? Es ist immerhin sein Auto…”
Lan nickte und beugte sich über seinen Freund und zog ihn das Handy aus der Hose. “Uhh..”, raunte Miquel und der Rotschopf war geneigt ihn auf das Bein zu hauen.


“Ja, der Gibs bleibt jetzt 6 Wochen dran!”
“Was? Nein.. kommen sie schon Mr. Smith… das.. können sie nicht machen!” Miquel sah auf den Arzt. “Ich habe ‘n Job und muss da in der Küche stehen und.. und..”
“Das ist im Moment nicht drin!”, Blake musterte den Jungen. Er hatte neben der Schule noch einen Job? Das hatte er jetzt nicht erwartet, wirklich nicht.
Miquel fing an auf spanisch in sich hinein zu fluchen und fand das überhaupt nicht cool. Er brauchte doch das Geld für New York! Der Blonde hielt inne und sah auf Lan. Er konnte jetzt nicht mehr nach New York gehen. Nicht jetzt! Das… was machte er denn jetzt?
“Ich hole eben einen Satz Krücken und Lan? Du kommst bitte mit!”
Murrend verließ Lan den Raum und folgte seinen Vater. Er sah auch schon, wie Juanita in das Zimmer stürmte in dem ihr Sohn war und Enrique ihr folgte. Diese Herzlichkeit in der Familie machte ihn so neidisch.
“Such welche für ihn aus!”, fügte er an, als sie vor den Krücken standen und Lan griff nach den Pinken. Zwar war Miquel jetzt sein Freund, aber er wäre nicht er selbst, wenn er ihn nicht die quietsch pinken andrehen würde! Nun wirklich nicht! “Gut… Was ich noch sagen wollte… ich werde deiner Mutter verschweigen, dass der Junge bei dem Versuch in dein Zimmer zu klettern sich das Bein gebrochen hat… dafür wirst du zwangsweise eine Woche bei ihm übernachten und mir Berichterstatten, ob er sich gut führt! Aber! Vorher fährst du noch mit mir nach Hause und holst dir Kleidung und Schulsachen, hast du mich verstanden?”
Lan sah irritiert auf seinen Vater und nickte. “Eh.. okay, mach ich! Danke!”
Blake wank ab und verließ den Raum zusammen mit Lan, damit dieser die Krücken bringen konnte. Lan folgte seinen Vater und war total irritiert. Was war denn jetzt los? Das verstand er nicht, so gar nicht. Sein Vater musste betrunken sein! Oh nein und dann hatte er auch noch ein Auto bedient und an Miquel herum gedoktert. Oh oh! Hoffentlich merkte keiner, dass sein Vater unter Einfluss von Alkohol stand! Er würde seinen Job verlieren!
Sie kamen in das Behandlungszimmer und Lan hüpfte gleich zu Miquel. “Ich passe jetzt eine Woche auf dich auf!”, verkündete er stolz und drückte ihn die Krücken in die Hand. “Und ich habe dir was schönes mitgebracht!”
Miquel sah auf die Krücken und war geneigt sie Lan drüber zu ziehen. “Du bist ein Arsch!” Er drehte die Krücke, legte sie mit den Griff in Lans Nacken und zog ihn zu sich und küsste ihn erstmal. Ihn war das ja echt egal, wer da noch alles im Raum stand, aber Lan nicht so. “Oh..okay!” Er drückte den anderen von sich und rieb sich den Hinterkopf. “Ich.. ehm.. komme dann nachher vorbei!” Lan drehte sich und sah seinen Vater an. “Gehen wir Heim!”
“Wir müssen eh bei dir vorbei, Lan, um das Auto zu holen!”, erklärte Juanita dann. “Wenn du willst können wir dich dann von da gleich mitnehmen!”
Lan sah erwartungsvoll auf seinen Vater. “Darf ich?” Blake nickte nur langsam. Vielleicht hatte er sich die ganze Sache auch noch nicht richtig überlegt, bevor er diesen Vorschlag gemacht hatte. Aber bisher hatte er, auch wenn seine Frau da ganz andere Meinung war, einen relativ guten Eindruck von dieser Familie bekommen und er hatte ihn immernoch, wenn er sah wie sie miteinander umgingen. Alles im Allen wirkte es wie eine sehr herzliche und liebenswürdige Familie, sie erinnerte ihn etwas an seine Eltern.
Blake folgte seinem Sohn nach draußen und legte ihn dann, als sie das Auto erreichten die Hand auf den Kopf. Er wuschelte ihn kurz durch die Haare und zog dann an einer der Strähnen. Seine Haare waren lang geworden. "Du siehst deinem Onkel immer ähnlicher..." Blake wand sich ab und stieg auf der Fahrerseite in das Auto ein. Lan stand da und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Sollte er überhaupt etwas sagen? Was war nur in seinen Vater gefahren? Unsicher griff er nach dem Griff an der Tür und sah, nachdem er sich in das Auto gesetzt hatte, gerade noch wie die Familie Marquez aus dem Krankenhaus kam, ehe er die Tür zu zog.


"NIMM VERDAMMT NOCH MAL DIE KRÜCKEN!", schrie Lan seinen Freund gegen Abend schließlich an.
Miquel hielt sofort in seiner Bewegung inne und griff nach den scheußlich pinken Dingern. "Aye...!", sprach er, ehe er salutierte. Lan war seinen Geschmack nach viel zu überführsoglich gerade! Weswegen er ihn auch in einer Tour anschriem, dass er die Krücken nehmen sollte. "Ich wollte nur einen Schritt an die Küchenplatte machen...", sprach Miquel, der gerade mit Lan und seiner Familie zu Abend aß und sich nur noch etwas Salz holen wollte. Dafür wäre er nur aufgestanden, hätte einen Schritt gemacht und dann seinen Wunsch nach Salz schon befriedigt, aber jetzt nahm er dazu die Krücken! Warum auch nicht!"
Enrique fing an zu lachen, als er sah wie sein kleiner Bruder spurte. "Nett, dass du so ein Pantoffelheld bist, hab ich gar nicht gedacht, du Möchtegern-Romeo!" Er lachte dann wieder. Miquel hatte ihm und seiner Mutter nämlich erzählt, dass er beim versuch zu Lans Zimmer zu klettern sich das Being gebrochen hatte! Er hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass eigentlich Lan ihn sozusagen aus dem Fenster geworfen hatte, wobei man ja sagen musste, dass es genau so geschehen war. Natürlich war Lan das nicht verborgen geblieben und man sah auf, wie jetzt nach Enriques Kommentar, dass Lan nicht wusste, wie er mit der ganzen Sache eigentlich solle umgehen! Unruhig knetete er mit den Händen und entschuldigte sich gleich wieder bei Miquel für seine raue Art.
Miquel beugte sich zu Lan, als er mit dem Salz wieder auf seinen Stuhl sah, küsste ihn und sah dann zu seinem Bruder. "Hey... man soll immer das machen, was die Krankenschwester einem sagt!", sprach er dann und zuckte mit den Augenbrauen. Lan sah diesen Blick und stockte, holte aus und haute Miquel voll eine Runter. Der Blonde knallte mit der Stirn auf den Tisch und hielt inne. Irritiert sah er auf und ganz leicht blutete er an der Augenbraue. "Was stimmt mit dir denn nur nicht?", fragte er nach und fuhr mit seiner Hand über die Augenbraue, die einen starken hämmernden Schmerz aussendete und verschmierte sich dabei das Blut über die Stirn.
Schockiert sah Lan auf Miquel und sprang auf. "ICH WEISS ES DOCH NICHT!! TUT MIR LEID!", rief er ihn zu und rannte schockiert über sich selbst, aus der Küche und rein in Miquels Zimmer. Der Junge warf sich auf das Bett von Miquel und musste aufpassen, dass er nicht anfing zu weinen. Warum war er Miquel plötzlich so feindselig gegenüber? Hatte er wirklich so einen Fetisch? Oder.. war er etwa ein Schläger?

Es dauerte etwas, bis Miquel durch die Tür kam. Er hatte sich noch nicht an die Krücken gewöhnt und sah auch ziemlich lächerlich damit aus, weil er sich wirklich dumm anstellte. "Lan?", fragte er nach und humpelte näher an das Bett heran. Er setzte sich neben den Jüngeren und strich ihn den Rücken hoch. "Hey.. ich hab das nicht so-"
"Du hast ja recht! Ich bin schrecklich! Ich tu dir nur weh!"
"Du bist einfach etwas...übermütig!", versuchte Miquel zuvermitteln.
"Du nennst das Übermut?"
Miquel nickte, als Lan den Blick hob und ihn ansah.
"Ich nenne das Potential für einen Mord! Oder eher Totschlag!"
"Du hast doch einen Knall!"
Lan plusterte seine Wangen auf und funkelte seinen Freund an. Miquel nahm ihn nicht ernst! Dabei versuchte er ihm doch gerade zu sagen, dass es passieren konnte, dass er ihn ausversehen umbrachte und er tat das einfach so ab! Miquel musste einen unglaublichen Todeswunsch haben, dass er so nah bei ihm hier auf dem Bett war. "Ich meine das ernst!"
"Ja ich auch!" Miquel rutschte noch etwas hoch, einfach um bequemer zu sitzen und sein Bein besser strecken zu können. Der Gips war einfach nur unhandlich, wie sollte er den sechs Wochen nur ertragen? "Zorro... mi amor... wie fange ich das jetzt am Besten an... ohne, dass du mir gleich ins Wort fällst? Gut.. das mit den Fenster war echt schon ein bisschen arg krass.. ich hätte mir mehr als nur den Fuß brechen können..."
"Tut mir Leid..."
"Aber... das wirkliche Problem ist... dass du, während du wirklich versuchst mir nicht weh zu tun, einfach schon handelst und mit der gesamten Unterdrückung eine drüber haust und das tut mir dann noch mehr weh... kannst du mich nicht einfach beschimpfen, wenn du denkst, dass ich scheiße erzähle??"
Lan sah auf seinen Freund und musterte ihn, dann seufzte er und drückte seinen Kopf in das Kissen. Es roch nach Miquel, seinen Haarshampoo, er mochte es, es war so fruchtig! Seine Lippen bewegten sich, doch die Worte, die er dabei von sich gab, waren einfach nicht mehr als etwas gebrummel und gebrammel, dass vom Kissen verschluckt wurde.
"Was?", fragte Miquel nach und sah auf ihn mit hochgezogener Augenbraue.
Lan raufte sich sichtlich das Haar, biss in das Kissen und richtete sich schließlich etwas auf. "Du bist ein totaler Vollidiot!"
"Ich weiß!"


Trotz kleiner weiterer Wunden an Miquel, verstrich die Woche fast ohne weiteren Zwischenfall. Es war der letzte Abend, morgen nach der Schule würde Lan wieder nach Hause müssen.
Das junge Paar lag zusammen auf der Couch. Miquels Lieblingsserie lief, mit der Lan so überhaupt nichts anfangen konnte, weswegen er seinem Vater den täglichen Zwischenbericht schickte, von Miquels E-mailkonto aus, mit dessen winzigen Netbook.
Er sendete den fertigen Bericht über Miquels Genesung ab und hielt inne, als er sah, welche Nachricht gerade im Posteingang erschienen war. Es war eine von der Schauspielschule, auf der man Miquel angenommen hatte, der Name hatte sich in Lans Hirn gebrannt. Er wollte ja nicht neugierig sein, aber der Betreff machte es ihn!
Re: Absage
Lans Augen wanderten rüber zu seinem Freund, der gerade zu lachen begonnen hatte, wegen irgendeinen Scheiß und dann gleich wieder auf die Mail. Sein Finger war schneller über das Touchpad gerutscht, als man schauen konnte und hatte die Mail geöffnet. Der Jüngere richtete sich leicht auf, ehe er das Netbook mehr an sich zog. Seine Augen fingen sofort an über den Bildschirm zu wandern. Lan musste wissen, was da drin stand.

Sehr geehrter Mr. Marquez,

wir bedauern die von Ihnen an uns versendete Absage sehr. Ihr Talent beim Casting hat uns sehr beeindruckt und wir würden sie gern fördern!
Da es für Sie aber nur an der Finanzierung zu hapern scheint, möchten wir Ihnen einen Vorschlag unterbreiten!
Unsere Schule möchte Ihnen ein Stipendium für unsere Schwesterschule in Chicago anbieten. Dazu würden, in den Ferien, Seminare in New York anfallen um über Ihren Fortschritt Kenntnis zu erhalten.
Wir würden uns freuen, wenn Sie dieses Angebot von uns annehmen! Bitte melden sie sich umgehend bei uns, unter der Nummer 555-478-299. Unser Sekretariat erwartet Ihren Anruf!

Mit freundlichen Gruß,

P. Adrus

Lan dachte einen Moment über das nach, was er gelesen hatte, während er die Nachricht wieder auf ungelesen setzte und einfach das Netbook zu klappte.
Miquel konnte sich die Schule nicht leisten? Das widersprach aber all dem, was Miquel ihn noch vorgestern vor gerechnet hatte. Gut, Lan musste ihn hier und da korrigieren, aber alles im allen, würde Miquel locker das Geld zusammen bekommen, sogar noch etwas mehr. Warum also?
Lan bereute gerade, dass er nicht gelesen hatte, was Miquels eigentliche Nachricht gewesen war.
Doch irgendwie, Lan war froh, dass New York nicht weiter zum Thema stand! Mit Chicago konnte er leben! Sein Vater arbeitete dort im Krankenhaus! Und so extrem weit war es nicht weg!
Der Jüngere sah herüber zu seinem Freund, der wieder über irgendetwas lachte, was nun wirklich nicht witzig war, lächelte dann aber und kuschelte sich an ihn heran. Doch, es machte ihn glücklich, dass Miquel nicht nach New York gehen würde!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen