Montag, 3. Dezember 2012

Closer to the edge - Prolog

Leise grummelnd zogen sich die Wolken am hohen Firmament immer mehr zusammen. Der vor wenigen Sekunden noch heiter wirkende Februarabend hüllte sich allmählich mit den Schleiern der Nacht. Überall entzündeten sich Lichter und tauchten Häuser und Wohnungen in einen künstlichen Schein, wie auch das große, aber alte, Haus im Kolonialstil. Bei der gesamten Nachbarschaft war das Haus und seine Bewohner äußerst umstritten. So hieß es eine Hexe und ihr Kind, welches sie persönlich vom Teufel hatte gezeugt bekommen, wohnten in dem Gebäude. Andere wiederum sagten es wäre ein Frau am Rande des Wahnsinn und ihr viel zu verschüchterter Sohn, die Wahrheit jedoch wusste keiner der Nachbarn so genau. Immerhin war es viel einfacher und spannender sich auf das Hören sagen und ähnliches zu verlassen.


In dem großen, alten Haus entzündete sich das Licht und schien durch die einfachen Fenster warm, gebogen und freundlich nach außen. „KIERAN!!“ Ein zorniger Schrei war es, der die Idylle, die sich gerade aufbaute, zerschnitt, ganz so wie eine scharfe Klinge es bei einem Blatt Papier tat. Im inneren des Hauses hörte man plötzlich ganz schnell kleine Kinderfüße trampeln. Eine Frau, die recht hübsch wäre, wäre ihr Gesicht nicht total gezeichnet von den letzten Jahren und würden ihre Wangenknochen nicht hervorstehen. Sie trat ungeduldig immer wieder mir ihren Schuh auf das Parkett unter ihren Füßen. Die Hände hatte sie in die Hüften gestemmt. Ihr Mund begann sich zu öffnen, während sie schon Luft in die Lungen pumpte zum nächsten lauten, fast krächzenden Schrei. Doch sie konnte nicht einmal anfangen, als die Tür, hinter der sie Stand, schwer fällig geöffnet wurde und ein kleiner Junge, nicht älter als fünf Jahre, seinen Kopf in den Raum steckte. „Mama?“, fragte er eingeschüchtert die Frau vor ihm, die eindeutig seine Mutter zu sein schien. Allein schon äußerlich ließen die Beiden eine Verwandtschaft erahnen. Was nicht zuletzt an dem rabenschwarzen Haar lag, das beide hatten, sondern auch an diesen Augen, die so in einen ungewöhnlichen violett schimmerten. Definitiv nichts, was man täglich sah. „Kieran!“, bluffte sie den Kleinen an, der zögerlich in den Raum kam. „Ich warte auf meinen Kaffee!! Ich will endlich essen!“, zischte sie und deutet mit einen Nicken auf den Esstisch hinter sich wo für sie selbst gedeckt war. Er sah sie an und scharrte mit den einen Bein über die Wade des anderen. „Aber.. Mama.. ich.. dachte... heute machst du den selbst... weil... ich hab doch Gebu-“ - „Willst du mir sagen, dass das ein Grund ist um nicht wie jeden Tag für mich Kaffee zu machen?“, zischte sie ihn daraufhin sofort an und der kleine Junge, den sie immer wieder mit Kieran betitelte stolperte zugleich zurück. „Nein.. Mama.. ich..“ 
Doch die Frau lief zugleich auf den Jungen zu und erhob ihre Hand gegen ihn. Deftig flog der Kopf des Kleinen zur Seite und er landete auf seinen Hinterteil. „Bring mir den Kaffee!“ Kieran schnappte sofort nach Luft, bevor er zu schluchzen begann. Tränen rannten über sein Gesicht. Ein Fehler für den Jungen in dieser Situation anzufangen zu weinen. Seine Mutter war gleich wieder darauf ihn noch eine Ohrfeige zu verpassen, doch schon allein aus Reflex sprang der Junge auf und rannte los. „KIERAN!!“, hörte man es wieder hinter ihm schreien, doch der Kleine wollte nur schnell in sein Zimmer. Dazu rannte er schnell zur Treppe, denn das Esszimmer, das Bad und das Schlafzimmer seiner Mutter befanden sich oben in den geräumigeren Räumen des alten Hauses, während die Küche und das Zimmer Kierans unten lagen und genau da wollte er hin. So schnell wie ein Junge in seinen Alter das eben konnte lief er die Treppe nach unten. Er war nicht mal auf der Hälfte, als seine Mutter die obere Treppenstufe erreichte. „KIERAN!!“, donnerte die Frau hinter ihm und der Kleine wollte schneller laufen. Doch kaum hatte er zum nächsten Schritt angesetzt, als man die ersten richtigen Donnerschlag hörte. Kierans Mutter, die von dem lauten Schlag mindestens so erschrocken war wie ihr Sohn, rutschte vor Schreck auf der Stufe aus und fiel die Treppen herunter. Sie überschlug sich einige Male und blieb reglos am Fuß der Treppe liegen. 
Kieran, der die Hände über den Kopf hielt, weil er unglaubliche Angst hatte, traute sich nur zögerlich, sie langsam herunter zu nehmen. „Mama?“, fragte er und ging langsam nach unten. An der letzten Stufe blieb er stehen und rief noch einmal nach seiner Mutter. So ging er vorsichtig um sie herum und wollte vor ihr auf die Knie, als sie die Augen auf riss und ihn anstarrte. „Kieran...“, keuchte sie, dennoch konnte man noch immer deutlich den Zorn aus ihrer Stimme heraus hören. Erschrocken plumpste der Junge auf sein Hinterteil und starrte sie an. Da fing seine Mutter auch schon an auf ihn zu zu kriechen, denn aufstehen konnte sie gewisse nicht mehr, denn ein Bein hatte sie sich bei den Sturz gebrochen. „Das ist … deine Schuld!“, fuhr sie fort und kroch auf den Jungen zu. Dieser rutschte, den Blick nicht von den stierenden Augen seiner Mutter abwendend und am ganzen Körper zitternd nach hinten weg und kam somit letztlich in die Küche, wo er gegen den Schrank stieß. Dieser Erschütterung brachte den Schrank zum beben und veranlasste den Messerblock dazu nach unten zu fallen. Nur haarscharf verfehlte er den Jungen. Dieser hatte die Beine angezogen und bettelte seine Mutter an, dass sie doch aufhören sollte. Er wäre auch jetzt immer brav und würde ihr auch gleich den Kaffee machen, etwas was er schon gelernt hatte als er erst drei Jahre alt war und es endlich schaffte auf die Fußbank zu klettern und nicht immer wieder herunter purzelte.
Die Frau kam immer näher auf ihren Sohn zu gekrochen. Nur noch wenige Meter, dann war sie direkt vor ihm, sie bäumte sich schwer fällig vor dem Kleinen auf und nach dem sie halbwegs halt gefunden hatte, streckte sie ihre Arme nach Kieran aus um diesen zu würgen! Das Kind ging ihr schon seit der Geburt nur gegen den Strich. Nicht zuletzt weil, ihrer Meinung nach, der Junge definitiv Schuld daran war, dass sein Vater sie und das Kind hatte sitzen lassen und war zurück nach Irland gegangen. Das Land aus dem die Familie eigentlich stammt. Sie waren vor Jahren, als der kleine Kieran noch ein Baby war nach Amerika in die Ortschaft [i]Shorewood[/i] im Bundesstaat [i]Illinois[/i] gezogen mit den großen amerikanischen Traum, wie ihn so viele Einwanderer haben. Doch irgendwie lief das alles nicht so wie es hätte laufen sollen und so war es zuletzt zu dieser Situation gekommen.
Kieran, der ungeheure Angst vor seiner Mutter verspürte griff nach einen der Messer neben sich und drückte es mit seiner kindlichen Kraft gegen seine Mutter. Doch es reichte auf um sie zu verletzen! Denn dadurch, dass die Frau sich über ihn gebeugt hatte und der Kleiner das Messer in einer leichten Stoßbewegung nach vorne rammte hatte er die Halsschlagader getroffen. Blut spritzte den Kleinen entgegen und erließ sofort das Messer los. Seine Mutter sackte, mit den Händen an die Wund gepresst wieder zusammen. Ängstlich kroch der Kleine nach draußen. „Ma.. ma?“, fragte er und zitterte am ganzen Leib. Tränen liefen ihn über das Gesicht. Er hatte solch eine Angst und wusste nicht einmal was er eben getan hatte. „Du.. Gör..“, krächzte die Verwundete und Kieran schluckte. „Ich... hol... Verbandszeug!“; rief er sofort und lief so schnell er konnte nach oben zum Bad. Es dauerte eine Weile bis er die Treppe zweimal bezwungen hatte und auf den Rückweg noch länger, wegen dem Verbandskasten in seinen Händen. Als er schließlich bei seiner Mutter ankam, rührte sie sich nicht mehr. „Mama...“; flüsterte er und ging auf die Knie. Auf allen Vieren krabbelte er auf sie zu und streckte seine Hand nach ihr aus. Doch er erschrak sogleich, als ein Blitz in den großen Baum, der vor dem Haus stand, einschlug. Der Baum fing sofort Feuer. Kieran, der schon sich vor dem ersten Donnerschlag gleich unglaublich erschrocken hatte, schrie panisch auf und sprang förmlich auf seine Beinchen. Er rannte zur Tür und zog sie auf. Er wollte weg! Weg von diesem grusligen Gewitter und auch weg von seiner Mutter, vor der er unglaubliche Angst hatte im Moment, heftiger als jemals zuvor. So schnell ihn seine kleinen Füße tragen konnten rannte er völlig Kopflos raus in die Nacht! Bloß weg von allen was ihm so eine Angst machte!

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