Montag, 3. Dezember 2012

SÜ - Thema: Mumie/Pyramide

„Ich halte das nach wie vor für eine schlechte Idee!“
Die unsichere Stimme ging fast in dem Tosen des kühlen Nachtwindes unter. Man sollte nicht glauben, wie kalt es in einer Wüste werden und erst recht nicht, wie laut der Wind wehen konnte! Vor allem, wenn man selbst der Meinung war, dass man etwas falsches Tat!
Wieder toste der Winde auf und langsam hoben sich die kleinen blonden Härchen auf der gebräunten Haut auf! Er war jetzt zwei Wochen in Kairo gewesen, was eindeutige Spuren an ihn hinterlassen hatte, nicht zuletzt an der Haut! Es war nicht zu glauben, dass man sich schließlich wirklich hier einfand! Dabei, war es doch nur so lapidar dahin gesagt gewesen! Aber man hatte ihn ernst genommen und nun hatte er ein Problem!


„Du kneifst doch jetzt nicht etwa den Schwanz ein?“, sagte der zweite Mann spöttisch, während er sein Blick nach hinten auf den weit aus Kleineren wanderte.
„Ich kneife nicht meinen Schwanz ein! Nur wer weiß, was wir da drin vorfinden?“
„Sand, Knochen, Käfer und vor allen massig viel Gold!“ Die Augen des Schwarzhaarigen blinzten für einen Moment auf. Es hatte fast den Anschein, als würde man Dollarzeichen darin sehen! Es war einfach eine super Idee gewesen hier einzusteigen und die Schätze zu bergen! Immerhin war das Betreten der Pyramiden schon lange strafbar! Sicherlich gab es noch Fleckchen an denen man gut absahnen konnte! Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass da nichts mehr übrig war!
Die Beiden überwanden die Absperrung und machten sich hastig auf den Weg zum Eingang! Immer wieder versanken die Füße im Sand, obwohl man versuchte schnell und grazil zu sein, aber der Sand hatte da seine eigenen Pläne!
Kaum waren sie in dem ersten dunklen Gang, hörte man wieder die unsichere Stimme des Blonden: „Sebastian, ich halte das nach wie vor für eine schlechte Idee!“
„Es war deine Idee!“
„Ich war betrunken!“ Der Jüngere der Beiden wusste einfach nicht, wie man ihn ernst nehmen konnte? Das hatte man doch sonst nie gemacht. Und dann trank er einmal zu viel über den Durst, aber noch nicht so viel, dass er nackt irgendwo tanzen würde und plötzlich nahm man ihn ernst! „Ich glaube nicht, dass wir da noch etwas finden!“
Genervt stöhnte Sebastian, sein Begleiter, auf und griff nach eine der Fackeln, die an der Wand befestigt waren. Er suchte sich nach einen Feuerzeug ab, bis er das vergoldete Zippo in seiner Hosentasche fühlte und in den Händen hielt. Vielleicht war es nicht das hübscheste Feuerzeug, das es gab, aber es hatte familiären Wert und zudem hatte es ihn schon einmal vor einer Kugel bewahrt! Man sah deutlich die Stelle in der die Kugel gesteckt hatte, dennoch war kein Loch darin und das Benzin konnte nach wie vor aufgefüllt und gespeichert werden. 
Mit seinen Daumen brachte er die Flamme zum Brennen und hielt sie an den alten, vergilbten Stoff. Es dauerte einen Moment, bis die jahrelang ungenutzte Fackel zu zündeln begann und schließlich eine große Flamme an ihr brannte. Grinsend klappte er sein Zippo wieder zu, bevor er seiner Begleitung den brennenden Stab in die zittrigen Finger drückte. „Mach dich lieber nützlich, Synn, und leuchte uns den Weg! Wir brauchen mindestens noch eine zweite Fackel!“ Fast schon abschätzig sah er auf den Blondschopf und wartete darauf, dass er vorne weg ging!
Sebastian verstand eh nicht, was der Kleine für ein Problem hatte! Es war sein Vorschlag gewesen und er war sich ganz sicher, dass sie hier nicht mit leeren Händen raus gehen würden! Was glaubte die halbe Portion nur? Das eine Mumie lebendig wurde und sie dann auffraß? Also wirklich! Wie alt war er fünf?
Von seinen Gedanken abgelenkt, bemerkte der Schwarzhaarige nicht, wie Synn stehen blieb und rannte mit voller Wucht in den Jüngeren herein. Dieser kam ins straucheln und ließ die Fackel fallen. Sofort griff er wieder danach und beobachtete die Flamme. Sie strauchelte, schien mit den Gedanken zu spielen auszugehen, doch fing sie sich gleich wieder und brannte weiter wie zuvor.
„Spinnst du einfach stehen zu bleiben?“, schuldigte Sebastian ihn an und schubste ihn, indem er ihn gegen die Schulter schlug.
„Da… ist eine verschlossene Tür!“
Zögerlich hatte der Blonde die Hand gehoben und fuhr mit ihr über den Kalten Stein, auf dem ein vertikaler Spalt bis nach unten war. „Siehst du? Es fällt eigentlich nicht auf, wenn man daran vorbei läuft und ich habe Pläne von Pyramiden gesehen, soweit oben ist eigentlich nie eine Abzweigung!“
„Meinst du eine Schatzkammer?“ 
„Möglich!?“
Zugleich schob der Schwarzhaarige Synn zur Seite und legte seine Hände selbst an den kalten Stein. Er tastete alles ab. Die Hieroglyphen, die Malereien. Das war einfach nur spannend! Zwar hatte er eher geglaubt eine Mumie zu sehen, als wirklich einen Schatz zu finden, aber nun sah er das ganz anders! Es konnte nur ein Schatz sein! Er selbst hatte sich mit seinen kleinen Freund die Karten angesehen, die von der Pyramide kursierten und die Grabkammer war viel tiefer angelegt! Jetzt waren sie ja gerade mal leicht unter der Oberfläche und so nah am Eingang, dass er sogar jetzt den Wind noch pfeifen hören konnte!
„Lass mich mal!“ Synn ging mit der Fackel näher an den Spalt heran und hielt sie so nah, dass er sah, wie sich die Flamme bewegte, was auch immer da drin war, es kam Wind dran! Er reichte den Lichtspender weiter an seinen geldgierigen Mitstreiter. Langsam tastete er sich selbst an die Wand heran. Es gab hier sicherlich einen Mechanismus, er hoffte es zumindest! Wenn sie Pech hatte, war das eine dieser Türen, die durch Sand verschlossen und damit ziemlich gut versiegelt waren! Da würden sie nicht reinkommen! Mit geschickten Fingern tastete er weiter ab, bis er eine Unebenheit erfühlte.  „Ich glaube ich habe da was! Leuchte auf meine rechte Hand!“ Er wartete, bis die Flamme seine Hand erhellte und hob langsam die Finger vom Stein. Eindeutig! Eine Kerbe!
Zugleich wand er seinen Blick suchend umher. „Es muss irgendwas geben, was in die Kerbe passt! Und ich hoffe für uns, dass es hier ist und nicht unten im Sarkophag!“  Eigentlich wollte er nämlich keine Leichenschändung betreiben!
Synn suchte weiter und weiter und einfach alles ab. Die gesamte Wand, den Gang, fand sogar eine zweite Fackel, doch nichts! „SCHEISSE!“ Der Blonde war total mies gelaunt auf einmal. Er wollte nicht runter zu dem Sarkophag!
„Hab dich nicht so!“ Sebastian zog etwas aus seiner Hosentasche und markierte somit den potentiellen Eingang. „Wir gehen jetzt runter zu dem toten Typ und holen uns den verdammten Schlüssel für diese Tür!“ Er leuchtete wieder auf die Kerbe und versuchte sich genau einzuprägen, wie sie aussah. So etwas würde ja zu finden sein!
„Ich will nicht!“, beschwerte sich der Blonde, der mittlerweile am Unterarm gepackt wurden war und weiter ins Innere der Pyramide gezogen wurde. „Komm schon, Sebastian! Das kann nicht dein Ernst sein! Das kann nicht!“
„Es wird schon keine Mumie zum Leben erwachen!“  Man er war total genervt von Synn! Das konnte er doch nicht ernst meinen! Er zog den Jüngeren immer weiter.
Synn sah sich derweil immer unsicherer um. Sie waren jetzt schon verdammt tief unter der Oberfläche! Hatte er nicht einfach diesen dummen Schlüssel da oben irgendwo finden können? Was wenn er da gewesen war und einfach nur schon gestohlen wurde? Er wollte sich das gar nicht ausmalen! Sebastian würde sicherlich durchdrehen!
Je tiefer sie kamen umso lauter schien jedes Atemgeräusch, jeder Schritt und jedes Wort zu werden! Auch der Sauerstoffgehalt der Luft war verdammt niedrig, was man besonders an der Fackel sah, die sicherlich bald erlöschen werde, wenn sie noch tiefer vordrangen!
Unsicher blickten sich Synns braune Augen um. Er wollte nicht hier sein! „Ein Wunder, dass wir in noch eine Falle gerannt sind!“
„Das haben andere Tollpatsche vor dir getan!“ Sebastian war sich bewusst, welches Risiko er auf sich nahm,  wenn er hier mit Synn war. Immerhin galt sein Kumpel als laufendes Chaos! Er schaffte es sich in jeder Situation in Gefahr zu bringen oder über die einzige Bananenschale auf einen riesen Platz zu stolpern! Er vertraute einfach darauf, dass hier unten nichts mehr war, was er auslösen könnte! „Komm schon, Feigling! Rein da!“ Er schob den anderen in einen Raum und die erste der beiden Fackeln ging mit einen Zischen aus.
Für Synn war das ein schlechtes Omen! Er wollte nicht mehr weiter gehen und blieb wie angewurzelt stehen! Keinen Schritt würde er weiter gehen! Kein Schritt!
„Brauchst du eine Windel?“, fragte Sebastian und wollte damit eigentlich nur sticheln! Er kannte den anderen und war sich darüber bewusst, dass wenn man nur genug Zunder gab, der Blonde hochgehen würde wie eine Rakete und  zur Not auch ohne Licht weiter gehen würde!
„Ha, ha!“, lachte der Blonde trocken und setzte wieder zum Gehen an, was den Schwarzhaarigen zum Grinsen brachte. So kannte er Synn!
Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort und standen schließlich vor einen großen steinernen Sockel! Keiner wollte jetzt etwas sagen. Man war einfach nur fasziniert von der Schönheit, des Steins. Er war aus Alabaster und sah aus, als hätte man Milch erstarren lassen. Selten hatte einer von ihnen so ein reines Weiß gesehen! Sicherlich würde dieser Sarkophag eine Menge Geld bringen, doch wie sollte man ihn hier herausbekommen? Eine Verschwendung, wenn man Sebastian fragte!
Dieser war es auch, der als Erster näher an den Sarkophag heran ging. Er legte seine Hände an den Alabaster, warf seinen Blick auf Synn. „Helf‘ mir!“, forderte er ihn auf. Zögerlich kam Synn näher und steckte zuerst die Fackel in einen dafür vorgesehenen Behälter.  Tief presste er Luft in seine Lungen, bevor er selbst die Hände an den weißen Stein legte.
Beide drückten mit viel Kraft dagegen und langsam begann der Deckel sich zu bewegen. Sie taten gut daran die Haube auf der anderen Seite herunter zu schieben und das was sie darunter entdeckten war eher enttäuschend.
„Nichts… Nichts! Keine Verdammte Mumie!“, schrie Sebastian auf und trat mit voller Wucht gegen den äußeren, noch vorhandenen Sarkophag, was er aber gleich wieder bereute.
„Ich vermute, der hölzerne Sarkophag ist in irgendeinem Museum!“
„Was du nicht sagst, Synn, was du nicht sagst!“ Er funkelte den Blonden einfach nur böse an. Klar wusste er, dass der auch nichts dafür konnte, doch es regte ihn auf! Er verspürte gerade einfach nur eine riesige innerliche Rage! Das gab es doch nicht! Das alles für nichts?
Sebastians Hände vergruben sich in dem eigenen Haarschopf und er krallte sich darin fest. Am liebsten würde er sie jetzt Büschelweise herausreißen! Doch was sollte das nur bringen? „Wir sehen uns um! Irgendwo hier muss es diesen verdammten Keil, diesen Schlüssel, dieses scheiß Ding geben! Wir machen das jetzt nicht von so einer fehlenden Leiche abhängig!“ Am liebsten hätte er geschrien! Doch durch die Tiefe des Raumes, war seine Stimme so oder so schon unglaublich laut.
Er entriss die Fackel dem Ständer und fing an durch den Raum zu tigern! Nichts würde er übersehen! Nichts!
Sein Freund lief ihn, einen Sicherheitsabstand haltend, nach und sah sich ebenfalls um. Er fühlte sich schuldig! Wäre er nur nicht auf diese dumme Idee mit den großen Schätzen in einer Pyramide gekommen! Aber zum Glück kamen sie hier ja wenigstens wieder raus, ohne dass ihnen etwas passierte!
Synn lehnte sich, als Sebastian inne hielt um an einer Statur nach dem vermeintlichen Schlüssel zu suchen, an eine Wand und hörte schließlich nur noch ein Knacken. Schnell sah er sich um, doch konnte er nichts sehen und auch nichts weiter hören, bis auf leise rieseln! Aber es rieselte schon seit dem sie hier waren! Das hatte nichts zu bedeuten!
„Sebastian, lass uns zurückgehen und morgen Nacht mit Werkzeug wieder kommen! Man kann den Mechanismus sicherlich austricksen!“
Der Schwarzhaarige schien darüber nach zudenken, bis er resigniert seufzte. „Ja, du hast Recht! Das ist sicherlich die beste Idee!“ Er richtete sich aus seiner Hocke auf, in der er sich befand und leuchtete mit der Fackel umher. „Wo war der Ausgang?“
„Na hinter uns!“ Synn wand seinen Kopf und nichts als Stein. „Das kann doch nicht sein!“ 
Die Beiden liefen die Wand ab. Eine Runde, zwei Runden und auch noch eine Dritte, aber nichts! Kein Ausgang, überall nur Stein.  Sie hatten beim Betreten der Kammer, beim Öffnen des Sarkophags und letztlich beim Lehnen an die Wand eine Kettenreaktion ausgelöst, die sie letztlich gefangen hatten.
„Ich will hier raus!“, schrie der Blonde auf und hämmerte mit voller Wucht gegen die Wand, doch keiner schien ihn, noch seinen Freund Sebastian zu hören!

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