Montag, 3. Dezember 2012

SÜ - Thema: Meerjungfrau/Familienstrandurlaub

Erfrischend fühlte sich das kühle Nass an ihren Zehen an, als sie den ersten Schritt hinein vom Sand in das Meer tat. Es war einfach wunderschön, wie es sich an ihrer Haut anfühlte und mit jeden Schritt weiter nach oben strich. Bald spürte sie das Wasser an den Oberschenkeln und beschloss sich ins Wasser gleiten zulassen. Mit einem leichten Köpfer, tauchte sie unter und ihre Haare waren schlagartig pitschepatschenass! Ihre Arme und Beine traten gegen das Wasser und sie kam vorwärts. Langsam öffnete sie die Augen und sah Korallen und Fische sich unter ihr Tummeln und da war noch etwas anderes! Dunkle Marineblaue Augen, so dunkel wie das Meer an seiner tiefsten Stelle, starrten sie an und sie erschrak, tauchte sofort auf.
„Diese scheiß Straße!“, fluchte es neben ihr und die Blondine, die in sich zusammen gesackt war öffnete die Augen. Verwirrt sah sie sich um. War sie nicht eben noch im Meer gewesen? Da war doch Wasser gewesen?


Langsam richtete sie sich aus ihrer Position auf und sah sich um. Sie war im Auto und ein Schlagloch, das das ganze Auto erschütterte, hatte sie aus ihren Schlaf geweckt. Mehr war das nicht gewesen! Nur ein Traum, weil sie wusste, dass sie auf dem Weg zum Meer waren!
„Fahren wir noch lang?“, fragte sie ruhig, während ihre müden Muskeln und Knochen gestreckt wurden. Ihre Hände fuhren über ihren Nacken, der tat weh, sie hatte eindeutig falsch gelegen oder eher gesessen.
„Halbe Stunde noch, Schatz!“
„Ah.. okay!“ Langsam richtete sie sich auf und drehte sich auf den Rücksitz, wo ihr kleiner Sohn schlief. Raymond Charles, nach dem zweiten Namen ihres Mannes und dessen Vater benannt, saß mit seinen fast einem Jahr in seinem Sitz und schlief. Den Schnuller hatte er schon längst aus dem Mund verloren, während sein Mund offen stand. „Irgendwann schluckt er noch Fliegen!“, sprach sie amüsiert und setzte sich wieder richtig hin, wobei ihr Blick auf ihren geliebten Ehemann glitt.
Sie kannte Dior jetzt schon viele Jahre. Er war um einiges älter als sie selbst, doch das war ihr schon immer egal gewesen! Die junge Frau liebte ihn einfach und sie würde ihn immer lieben, auch wenn es die eine oder andere Seite an ihm gab, die sie mehr als nur zur Weißglut trieben! Wie, wenn er zum Beispiel mal wieder seine Augen in dem Ausschnitt anderer Frauen hatte oder beinah vor ein Auto lief, weil ein kurzer Rock hoch geweht worden war. Aber so hatte sie ihn kennen gelernt und auch, wenn sie sich nur darüber beschwerte, liebte sie diese Seite ebenso.
Niemand hatte gedacht, dass aus den Beiden wirklich etwas Ernstes werden würde und nicht zuletzt ihr Bruder, der mit Dior überhaupt nicht klar kam! Aber jetzt waren sie schon fast zwei Jahre verheiratet und es gab den kleinen Ray! Liliana war wirklich glücklich!
Das Auto fuhr den Schotterweg weiter entlang, während Dior versuchte – mehr oder weniger erfolgreich – den einzelnen Schlaglöchern auszuweichen. Sie waren auf den Weg zum Ferienhaus seiner Familie. Als Kind war er jeden Sommer da gewesen, doch nach dem seine Eltern verstorben waren, hatte er einfach nicht mehr die Zeit gefunden dort Urlaub zu machen. Aber jetzt war das was anderes, er hatte seine hübsche, junge Frau und das niedlichste Kind der Welt dabei! Er freute sich richtig auf den Urlaub.
Der Schotter scharrte unter den Reifen, als sie zum Stehen kamen und das Auto machte einen letzten Ruck, dann stand es. „Da wären wir!“
„Es sieht… unbenutzt aus!“ Liliana hatte ein kleines Schloss erwartete, so wie ihr Mann immer davon gesprochen hatte, dennoch war es einfach nur eine – zwar recht große – Holzhütte.
„Steht ja auch ein paar Jahre leer!“  Dior stieg aus und hob als erstes die Hand vor seinen Augen, denn die Sonne blendete ihn. Das Wetter war herrlich und er hoffte seine Schöne auch für das Alles hier begeistern zu können. „Ich lass schon mal Luft in das Haus!“ Sicherlich würde alles modrig und alt riechen, wenn man bedachte wie lang er nicht mehr hier war! Doch das würde sich jetzt ändern, denn er plante jährliche Familienausflüge hier her und irgendwann vielleicht auch mal mit dem Bruder seiner Frau und dessen Familie. An Platz würde es nicht scheitern!
„Mach das!“ Die Blonde schnallte sich ab und stieg aus. Langsam glitt ihr Blick über das Haus und das Umfeld und sie musste zugeben, dass es wirklich schön war. Vor dem Haus waren die Reste einer alten Feuerstelle, um die herum große Baumstämme lagen, auch die man sich sicher immer gesetzt hatte. Ein kleiner schmaler Weg führte direkt runter zum Strand, der keine hundert Meter entfernt zu sein schien und die perfekte Einsicht vom Haus aus bot.  Ja, Liliana musste zugeben, dass es hier wirklich schön war! Vor allem weil das Haus in mitten einer Lichtung stand, was dem ganzen etwas Mystisches verlieh.
Sie griff nach dem Haargummi, der um ihr rechtes Handgelenk gewickelt war und band ihre goldenen Locken hoch, immerhin kannte sie ihren Sohn! Ray war ein Haarkauer mit Vorliebe und konnte ganz schön grantig werden, wenn man ihm die Haare wegnahm, also erst gar keine Möglichkeit bieten.
Mit Schwung warf sie die Beifahrertür zu und öffnete kurz danach die hintere Tür. Ray schlief immer noch, er hatte einen gesegneten Schlaf. Vorsichtig beugte sie sich in das Auto und nahm als erstes den Schnuller und steckte ihn sich selbst in den Mund, bedacht nicht drauf zu beißen. Ihre Hände glitten über die Verschlüsse und nach zwei Klack war das Kind los.
Wie als hätte der Kleine Goldschopf es gemerkt schlug er seine braunen Augen auf und sah seine Mama verschlafen an. „Naah!“, quengelte er und wollte sofort auf ihren Arm. Es war eindeutig! Er war jetzt schon ein Morgenmuffel. Geschickt sorgte sie dafür, dass er den Schnuller selbst in den Mund nahm und stieg mit dem kleinen Schatz aus. „Na dann schauen wir mal, wie Papas Häuschen so ist!“ Sie lächelte den Kleinen sanft an, während sie ihn fest an ihre Seite drückte und die Tür schloss.
Der kleine Ray versuchte seine Hände nach den Haaren seiner Mama auszustrecken, doch die waren wieder so dumm gefangen, also war er erst einmal mit einer Rettungsaktion für die Haare beschäftigt.
Seine Mama trug ihn näher an das Haus heran und sah sich dabei um. Sie versuchte sich gerade vorzustellen, wie ihr Mann als kleiner Bub hier rumgerannt war in Windeln oder später in kurzen Hosen und vielleicht mit einem Stock in den Händen. Irgendwie musste sie sich dabei einen Hund vorstellen, der mit ihm herumtobte, auch wenn sie wusste, dass er keinen gehabt hatte. Vielleicht sollten sie, wenn Ray alt genug war, sich einen Hund anschaffen, der so etwas wie sein bester Freund werden konnte.
Tief in Gedanken versunken lief sie weiter und schließlich stand sie in dem Haus. Der Geruch von abgestandener Luft schlug ihr als erstes entgegen, aber dadurch, dass Dior die Fenster geöffnet hatte, wurde es schon besser. Neugierig sah sie sich um, auf der Suche nach ihrem Mann und fand ihn schließlich auf der kleinen Terrasse, von der man einen ausgezeichneten Blick auf das Meer hatte.
„Ist es nicht wunderschön hier?“, hauchte er fast gedankenverloren und drehte sich zu seiner Frau und seinem Sohn um.
„Wunderschön!“, bestätigte sie und ging auf ihn zu. Sie reichte ihn den Kleinen, der alles andere als erfreut darüber war, dass man ihn von seiner Haarrettung abhielt.
„Ray liebt deine Haare!“
„Ja… er hat sie wortwörtlich zum fressen gern!“ Beide begannen zu lachen und genossen den Moment, so wie er einfach war. Der erste gemeinsame Urlaub!
„Schläft er?“
Dior wand seinen Kopf zu seiner Frau, die gerade – nur in einen Bademantel gehüllt – in den Raum kam. Für einen Moment betrachtete er einfach nur diesen Anblick, bevor er langsam nickte und mit gedämpfter Stimme antwortete: „Ja… gleich nach dem du weg warst ist er eingeschlafen!“
„Hast du ihn wieder von Meerjungfrauen erzählt?“, fragte die junge Frau lächelnd und lehnte sich in den Türrahmen, als ihr Mann auf sie zu kam.
„Es gibt sie!“, flüsterte er leise, legte die Hände um ihre Hüften und schob sie nach draußen, bevor er die Tür anlehnte und sich voll und ganz ihr widmete. „Ich habe sie gesehen!“
„Natürlich!“, sprach sie amüsiert und wand sich ab. Sie wollten auf der Terrasse es sich gemütlich machen und genau da ging sie nun hin.
„Glaub mir, Lilly! Ich hab sie gesehen!“ Er ließ sich auf der kleinen Bank, mit den kitschigen Kissen darauf, nieder und zog seine Hübsche auf seinen Schoß. Ihr nasses Haar streifte seine Wange und er gab ihr einen Kuss darauf. Er konnte den Kokosgeruch ihres Shampoos deutlich riechen. „Ich war noch ein kleiner Junge…“, begann er zu erzählen, wie er es immer seinen Sohn erzählte.
„Und dann bist du nachts rausgerannt, genau hier an diesem Ferienhaus und runter zum Meer. Es war ganz Stil, also bist du ins Wasser und da hast du sie gesehen! Ich weiß, Dior! Ich bin dabei, wenn du Ray von den Meerjungfrauen erzählst!“ Sie glaubte an so etwas nicht, umso komischer fand sie es, dass ihr deutlich älterer Mann an diese Dinge glaubte. Aber sie konnte sich irgendwie einen Reim drauf machen, warum es so war: Immerhin waren Frauen im Wasser sehr erotisch und Dior stand auf so etwas, wohl schon als kleines Kind! Durch und durch pervers veranlagt ihr lieber Ehemann.
„Du wirst sie auch noch sehen!“ Er schloss die Arme um seine Frau und schloss für einen Moment die Augen, während er sein Kinn auf ihre Schulter bettete. „Du wirst sie auch noch sehen!“
Es war mitten in der Nacht, als Liliana ihre Augen aufschlug. Sie hörte Ray durch das Babyphone mit sich selbst brabbeln und seufzte leise. Dieses Kind wollte einfach nicht durchschlafen obwohl er das konnte, da war sie sich sicher. Ihr Blick wanderte zu Dior, der auf den Bauch lag und leicht gegen das Kissen atmete, auf dem seine Wange ruhte. Er war so hübsch! Sie beugte sich zu ihm und gab ihn einen Kuss auf die Lippen, die sie nur halb erwischte, doch er schlief weiter ohne etwas davon zu bemerken.
Sie schwang ihre Beine über die Kante des Bettes und griff nach den Bademantel um ihre Haut zu bedecken. Etwas orientierungslos suchte sie in den unbekannten Gefilden nach dem Zimmer mit dem Baby, als sie aber schon vor dem Kinderbett stand. „Na sind wir wieder wach?“, hauchte sie leicht und nahm den kleinen Kerl aus dem Babybett. Zugleich schnappte er nach ihren Haaren und spuckte den Schnuller aus, um die Lockenbracht in seinen kleinen Mund zu bringen. „Du bist ein Haarmonster!“ Die Blondine nahm den Kleinen an ihre Hüpfte und lief hin zum Fenster. Ihr Blick fiel auf das Meer und sie musste lächeln. „Dein Papa glaubt voll und ganz daran, dass es dort unten Meerjungfrauen gibt, komm wir schauen mal nach ob wir welche sehen!“ Liliana konnte nicht sagen, warum sie das tat, aber irgendwie verspürte sie gerade jetzt den Drang zum Meer zu laufen. Vielleicht lag es an der Geschichte ihres Mannes, dass es Nacht gewesen war, als er angeblich die Meerjungfrauen gesehen hatte, sie konnte es nicht sagen.
Der Schotter knirschte unter ihren Schritten, während der Wind, leicht warm, ihr Gesicht und das ihres Sohnes streichelte. Gleich hatte Liliana den Strand erreicht und sie wusste nicht mal wirklich, was sie da sollte. Ins Meer starren, nur um ihren Mann später zu sagen, dass es keine Meerjungfrauen gab und er sich das alles eingebildet hatte? So gemein wollte sie eigentlich nicht sein, aber man würde es verstehen können.
Immer näher kam sie den Meer und kurz vor dem Wasser blieb sie stehen. Sie erinnerte sich plötzlich an ihren Traum von der Anreise. Wenn sie sich hier so umsah, sah das schon ziemlich ähnlich aus! Aber eigentlich war es dumm! Woher sollte sie wissen ob es ähnlich aussah? Sie hatte doch nur Sand und Wasser gesehen. Sand, Wasser und ein paar starrende Augen. „Das ist doch Schwachsinn!“, flüsterte sie zu sich selbst und schlüpfte aus dem Bademantel und zog auch ihren Sohn aus. Die Sachen achtlos in den Sand geworfen, lief sie mit den Kleinen rein in das Wasser. Es war angenehm kühl und so würde Ray, wenigstens sich noch etwas Müde machen können, bevor es wieder in das Kinderbettchen ging! Immer tiefer kamen sie in das Wasser und als es schon über ihren Bauchnabel war, blieb sie endlich stehen. Würde sie noch weiter hinein gehen, dann hätte sie nicht mehr genug halt für sich und ihr Kind. Sie begann im Schein des Mondes mit ihren Kleinen zu spielen, der freudig lachte. Glückliches Kindergelächter durchbrach die Stille, die um sie herrschte und plötzlich schien es für einen Moment so, dass sie nicht einmal mehr den Klang der Stimme des Goldschopfes war nahm. Wann war es so still geworden?
Das Wasser um sie herum schien plötzlich wie ein gefroren zu sein und Liliana wurde unruhig. Was war denn jetzt los? Vielleicht war es einfach nur Windstill, aber nicht einmal Rays Bewegungen und Plantschen schienen Wellen zu schlagen. Unsicher sah sie sich um, wollte nach hinten, doch sie fühlte sich dazu irgendwie nicht in der Lage. Langsam wurde Liliana unruhig. Was war hier denn nur los? Sie warf ein Hallo in die Nacht, doch obwohl sie spürte, wie sie sprach drang nichts an ihr Ohr. Immer hektischer sah sie sich um, als vor ihr sich das Wasser auftürmte.
Ruckartig zog sie ihr Kind näher an sich heran, presste es an ihre nackte Brust und starrte auf das Wasser. Der Wasserschwall löste sich an seinem höchsten Punkt auf, wie ein Springbrunnen, der abgestellt wurden war. Und da waren sie wieder, diese tiefblauen, fast schwarzen Augen ohne Pupille, die sie einfach nur anstarrten. Der Körper der Blonden begann zu zittern. Was war das für ein Wesen? Es hatte keine Ohren, sondern eher so etwas wie große Flossen an deren Stelle. Der Kopf war kahl und feucht, schuppig, aber irgendwie auch schleimig, nur in der Mitte wieder so etwas wie eine Flosse, die bis zum Steiß zu gehen schien. „Dior.. hat recht!“ Das musste eine von ihnen sein! Eine Meerjungfrau! Auch wenn sie ganz anders war, als sie immer gedacht hatte. Dieses Wesen erinnerte sie wirklich stark an einen Fisch!
Es kam näher und hob die Hand aus dem Wasser. Zwischen dein Fingern waren eindeutig Schwimmhäute zu sehen und Lilly wurde immer mulmiger zu mute. Als das Wesen den Mund öffnete trat etwas hervor, was sie stark an Walgesang erinnerte, was sie aber zu beruhigen schien.
Aufmerksam beobachtete sie die Hand, die eine wunderschöne Muschel den kleinen Ray in die Hand gab, der freudig quietschte und sie sich natürlich gleich in den Mund schob. Mit einen letzten Lächeln auf den feuchten Lippen verschwand das Wesen wieder im Meer und ließ die erstarrte Liliana zurück.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich aus ihrer Starre wieder lösen konnte und hastig mit ihren Sohn zurück in das Ferienhaus rannte, die Kleidung am Strand liegen lassend.
Völlig durch den Wind, brachte sie den Jungen zurück ins Bett, der schnell einschlief und legte die Muschel an den Rand. Sie konnte die ganze Begegnung nicht fassen! Sie musste träumen! Noch immer zerstreut kletterte sie nass und sandig zurück zu ihren Mann ins Bett und drückte sich fest an ihn heran.
„Lilly?“, gähnte dieser und zog den leicht unterkühlten Körper näher an seinen warmen.
Ihre Augen wanderten zu ihm und fest drückte sie ihre Lippen auf die von Dior. Für einen Moment schien sie ihn einfach nur anzusehen, bevor sich langsam ihre Lippen öffneten und sie sagte: „Ich glaube dir…“

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