„Na, na, na, na, na, na, na BATMAN!“, kreischte der junge Schwarzhaarige vor seinem viel zu großen Spiegel, während er auf und ab hüpfte, um in die dumme, viel zu enge Strumpfhose zu kommen. Aber er würde sie anbekommen! Und wenn nicht, dann ließ es sie eben weg und machte die dritte Version, ohne Strumpfhose! Der junge Kerl grinste und drehte sich um Kreis. „Sitzt schön am Arsch!“ Er nickte und zog die weitern Teile des Kostüms an, bis er schließlich in fast vollständiger Montur vor seinen Spiegel stand. „So die Maske…“ Er wand sich um und suchte die dumme Maske und klebte sie mit dem beigelegten Kleber auf seine Haut. „FERTIG!“ Er lachte sich selbst aus. Irgendwie sah er doch recht lächerlich aus. „So, Robin, dann mal los auf die Halloweenparty!“ Schnell rannte er nach unten und stopfte seine Füße förmlich in die bereit gelegten Stiefel. Das Cape nahm er von dem Kleiderständer und warf es über. Ein letzter Blick in den Spiegel. Er sah toll aus!
„DADDY!“
„ICH BIN GLEICH DA!“, kam es von oben und der Junge wurde nur noch
ungeduldiger. Warum brauchte er so lang? Das war doch gemein! Er hatte
ihn doch versprochen, dass er ihn auf seine erste Halloweenparty fuhr
und nun kam er nicht in die Puschen. Das war total gemein!
„DADDY!“, rief er wieder und rannte weiter vor dem Spiegel auf und ab. Er wollte endlich los!
„Ich bin ja schon da!“ Ein schwarzhaariger Mann Mitte dreißig kam in den
Raum und im Gegensatz zu seinem Sohn trug er ein Butlerkostüm.
„Du kommst aber nicht mit auf die Party?“
„Nein, wir gehen wo anders hin!“
„Als was?“
„Butler und Dieb!“
„Oh Dad…“ Er wollte wirklich nicht wissen, was für kranke Fantasien
seine Eltern eigentlich hatten. „Ja mir auch egal! Los jetzt, ich will
auf die Party!“ Der schwarzhaarige Junge konnte nach wie vor nicht
glauben, dass man ihn eingeladen hatte. Er kannte die Leute noch nicht
lang und erwartete auch nicht, dass man einen Fünfzehnjährigen einfach
so einlud! Aber sie hatten es getan und für ihn war eins klar gewesen:
Wenn ich auf die Party gehe, dann als Robin! Und er hatte sich gleich
das Kostüm besorgt!
So fuhren die Beiden zu der Adresse, bei der
die Party steigen sollte und der Vater musterte das liebevoll
geschmückte Haus skeptisch. „Wenn irgendwas ist, Saint, dann rufst du
sofort an! Ich hole dich ab! Egal wann! Und passe auf dich auf. Trink
nicht zu viel und lass dich nicht auf zwielichtige Typen ein!“
„Ich weiß, Dad! Ich weiß! Ich mache schon nichts Falsches!“ Er zwinkerte
seinen Daddy zu, wünschte ihn viel Spaß und stieg aus dem Auto aus.
Saint richtete sein Cape und auch noch mal den Schlüppi, den er
obendrüber trug und lief dann gleich los.
Sein Herz klopfte stark gegen seine Brust. Hoffentlich hatte man ihn
nicht verarscht oder irgendwas in der Art? Er hoffte es schwer!
Die Tür wurde geöffnet und zum Glück für den Jungen, mit viel Musik und
tosenden Gelächter geöffnet. „Oh Hallo, Rotkelchen! Dann mal herein
spaziert!“
Der Schwarzhaarige begann zu grinsen und machte sich gleich auf den Weg
nach drinnen. Ach schön! Es würde sicherlich ein schöner Tag werden!
Nach
ein paar Stunden, war Saint leicht angetrunken, aber alles Weitere war
noch gut! Er tanzte freudig zur Musik und unterhielt sich mit den ein
oder anderen, als sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter legte. Der
Robin zuckte zusammen und drehte sich sofort um. Das Erste, was ihn
entgegenstach war eine muskulöse Brust mit einer Fledermaus drauf.
„Ehh..“ Er sah weiter nach oben und immer mehr wurde ihn klar, dass da
ein Batman vor ihn stand.
„Robin!“
„Batman!“ Jetzt musste Saint grinsen. Sogar die Stimme wurde verstellt?
„Das mit der Stimme wirst du sicherlich nicht, den ganzen Tag
durchhalten!“ Das fand er sehr witzig! Er hatte keine Ahnung, wer da
eigentlich vor ihn stand, aber jeder Robin fand irgendwann einen Batman
und hier war es umgekehrt gewesen.
„Bowle?“
„Gern!“ Saint lief neben den – wirklich großen – Batman her zur
Bowleschüssel und freute sich richtig, dass er Anschluss gefunden hatte.
„Ich.. muss ja zugeben, ich kenne hier eigentlich niemand. Man hat mich
angesprochen und eingeladen!“ Irgendwie war ihm das ja schon peinlich,
aber naja!
„Ging mir auch so!“ Weiterhin hielt der Batman das durch mit der Stimme,
doch Saint war sich schon sicher, dass die Fledermaus das irgendwann
einfach nicht mehr durchhielt.
„Dann bin ich ja froh, dass wir ein passendes Kostüm haben!“ Der
eindeutig Kleinere sah nach oben zu dem Batman und grinste ihn an.
„Magst du für heute meine Begleitung sein? Ich verschwinde auch gleich,
wenn du wen aufreißen willst, aber solang… ich fände es schön!“
Der Batman schmunzelte nur unter seiner ledernen Maske und reichte die Bowle weiter an Saint.
„Prost!“
„Prost!“
Die Beiden stießen an und der Batman deutete zu der Couch, die nicht weit von ihnen entfernt stand.
„Setzen?“
„Ja gern!“ So lief Batman mit seinen eben aufgegabelten Robin zu der
Couch und sie setzen sich. Der Kleiner setzte sich extra auf eines
seiner Beine um nicht total klein neben dem Riesen zu wirken. Wie konnte
man nur so groß sein? Gut, er kannte da jemand, der wirklich groß und
hübsch war: Seinen Cousin Alexios und er würde lügen, wenn er sagen
würde, dass er ihn nicht anziehend fand. Aber er war sein Cousin und das
ging nicht. Außerdem hatte Alexios nur sein Hobby im Kopf und er war
sich recht sicher, dass er den Fünfzehnjährigen noch nie wirklich
bemerkt hatte. Klar, er wusste, dass es ihn gab, immerhin waren sie
verwandt, aber so wirklich wahrgenommen hatte er ihn wohl nicht.
Irgendwie fand Saint das ja wirklich Schade! Er unterdrückte einen
Seufzer und wand sich dem Batman zu, der sich gerade neugierig umsah.
„Also, du sagtest, dass man dich auch angesprochen hat, also kannst du
mir auch nichts über die Leute hier erzählen?“
„Nein, kein Stück. Aber ich finde ab und an sollte man einfach auf so
etwas eingehen, vielleicht lernt man dann ganz interessante Leute
kennen!“
Der Schwarzhaarige fand diese kleine Ansprache sehr interessant und wand
seinen Körper mehr den anderen zu, um sich besser mit ihn unterhalten
zu können. „Und was machst du so? Gehst du zur Schule?“
„Ich bin Batman! Ich komme immer dann raus, wenn man mich braucht und
kämpfe gegen die Bösewichte in Gotham. Niemand weiß, wer ich wirklich
bin und das ist auch gut so!“
Jetzt war das Rotkelchen ja schon etwas enttäuscht. „Du wirst mir also nichts von dir erzählen?“
„So ist das bei Kämpfern für Recht und Ordnung! Manchmal ist es besser, wenn keiner weiß, wer hinter ihnen steckt!“
„Du hast doch einen Knall!“ Der Kleinere lachte und nippte wieder an
seiner Bowle und wand den Blick zu den anderen Gästen. „Dann wirst du
mir auch nicht sagen, wie du heißt?“
„Vielleicht später!“
Die Beiden unterhielten sich den ganzen Abend
miteinander, tanzten und hatten Spaß. Immer wieder tranken sie etwas
von der Bowle. Saint war irgendwann ziemlich betrunken und lachte nur
noch über alles. Was für einen Kater ihn am nächsten Tag verfolgen würde
konnte man nur erahnen.
„Komm schon, Batsy. verrate ihn mir!“
„Was?“
„Deinen richtigen Namen! Du heißt sicherlich nicht Bruce!“ Er fand im Moment einfach alles sehr, sehr lustig.
Der Batman sah ihn an und schüttelte nur seinen Kopf. „Nein, noch
nicht!“ Er stand auf und zog das kleine mittlerweile recht blaue
Rotkelchen zur Tanzfläche, die sich mittlerweile gut geleert hatte.
Viele der Gäste waren nicht mehr in der Lage überhaupt zu tanzen und
einige waren schon gegangen. Er legte seine Hand auf die Hüfte von Saint
und die Andere auf seinen Rücken, um ihn besser zu stützen.
„Du bist gemein!“, nuschelte der Schwarzhaarige und lehnte seinen Kopf
an die Brust mit der Fledermaus und schloss einen Moment seine Augen. Er
fand den Kerl wirklich toll! Man konnte sich so gut mit ihm unterhalten
und auch Spaß haben, aber er wollte ihn einfach nicht sagen, wer er
war! Wie sollte er ihn denn wieder sehen? Saint wollte ihn wieder sehen!
„Ich bin Batman!“, mehr gab es dazu nicht zu sagen von seiner Seite her
und die Beiden tanzten noch etwas, bis der Hüne merkte, dass Robin wohl
langsam einschlief. „Hey.. hey.. komm ich bring dich nach Hause!“ Er
nahm die Hand des Kleinen und lief mit ihm los.
Saint hatte ganz
schön Probleme auf den Beinen zu bleiben. Er strauchelte und stolperte
mehr, dass er lief und schielte immer wieder zu dem dunklen Ritter nach
oben. „Hey.. du.. sag‘, wenn ich eine Lampe mit einer Fledermaus drauf
auf mein Dach stelle… kommst du dann?“ Naja wenn er keinen Namen hatte,
dann versuchte man es eben über die Art mit der man Batman rufen würde:
Riesen großer Scheinwerfer mit Fledermaus mitten in die Nacht gerichtet!
Das musste klappen!
„Du kannst es ja mal versuchen!“
„Ach komm schon sag es mi- ahh!“ Robin stolperte und fiel nach vorn,
wurde aber gerade noch so an der Hand zurückgezogen, dass er nicht
kollidierte.
„Langsam!“, hauchte der Batman ihn zu und zog Saint näher an sich heran.
„Komm, ich trage dich!“ Er hob den kleinen Betrunkenen auf seine Arme
und trug ihn. Das er wusste wo es lang ging kam Saint nicht komisch vor.
Er war betrunken und versuchte vehement die Identität des anderen
heraus zubekommen, dass er nur Augen für den großen schwarzen Kerl
hatte, der ihn trug.
„Das ist eine billige Anmache!“
Der Hüne begann zu lachen und hob Saint etwas weiter an, damit er ihn ins Ohr raunen konnte: „Billiger wäre: Ich bin Batman!“
„Aber sehr beeindruckend!“ Saint lächelte ihn verklär an, bevor er
seinen Kopf wieder an seiner Brust bettete. Der Andere roch nach Jasmin.
Irgendwie war das etwas, was er nicht erwartete hatte. Wenn man so
einen großen, muskulösen Kerl sah, dachte man mit keiner Silbe daran,
dass er vielleicht nach Jasmin riechen würde! Eher Moschus oder
irgendein herbes Aftershave! Aber der Kleinere musste sagen, dass ihn
dies einen gewissen Charme verlieh. Jasmin.
Als sie an Saints
Elternhaus ankamen, war dieser beinah eingeschlafen. Er hatte noch ein
paar Mal versucht hinter die Identität des schwarzen Ritters zu kommen,
doch es war einfach nicht drin! Er wollte es ihn nicht sagen und langsam
glaubte das Rotkelchen, dass er nie dahinter kommen würde!
„Wir sind da! Hey, Robin! Wir sind da!“
„Hnn..“ Er wand seinen Kopf und sah das Haus, in dem alle Lichter
erloschen waren. Entweder schliefen seine Eltern noch oder sie waren
selbst noch unterwegs! „Danke…“ Langsam wurde er abgesetzt, doch er
wollte noch nicht scheiden! Er umarmte den großen Kerl noch einmal und
drückte ihn fest. „Und du willst es mir wirklich nicht sagen?“
„Bleibt mein Geheimnis!“
„Manno… Dann Tschüss!“ Er löste sich von dem anderen traurig und setzte
sich in Bewegung. Er musste bis zur Tür und irgendwie seinen Schlüssel
ins Loch bekommen! Warum hatte er nur so viel getrunken? Sein Daddy
hatte ihn doch noch vorgewarnt.
„Robin?“
„Ja?“, langsam drehte sich der Kleinere um und sah gleich wieder die
Brust, die ihn heut schon mal begrüßt hatte. „Was willst du denn noch?“
„Schon mal im Mondschein mit dem dunklen Ritter getanzt?“ Eine sehr
einfache Abwandlung des berühmten Joker Zitates, aber es passte im
Moment einfach nur gut!
„Nein…“
„Willst du?“ Der dunkle Ritter ließ ihn nicht viel Zeit zum Überlegen.
Er zog den anderen einfach nah an sich und tanzte mit ihm im Vorgarten
unter dem Mond. Sein Blick lag dabei die ganze Zeit auf Saint, der seine
Augen eben so wenig abwenden konnte. Plötzlich hielt er inne und beugte
sich zu dem anderen herab. Seine Hand glitt über die Wange des anderen,
bis er ihn am Kinn sanft packte und nach oben zog. Er legte seine
Lippen auf die des Rotkehlchens, das von dem Moment einfach nur
überwältigt war. Er wusste nicht was er tun sollte, bis die Instinkte in
ihm übernahmen und er begann den Kuss zu erwidern. Man konnte nicht
genau sagen, wie lang die Beiden dort standen und sich küssten, aber es
war das, was in diesem Moment richtig war.
Die Lippen lösten sich voneinander und Saint ließ noch für einen Moment
die Augen geschlossen. Langsam öffnete er sie wieder und alles was er
sah war Dunkelheit. Hastig sah er sich um, doch weit und breit war
niemand zu sehen. „BATMAN!“, rief er laut, doch keine Antwort. Wie als
hätte er sich das Alles nur eingebildet in seinem kleinen Rausch aus
Alkohol. „Aber.. das.. kann doch nicht?“ Saint sah sich um und legte
seine Hand auf seine Lippen. Dieser Kuss. Sein erste Kuss, so perfekt
und dennoch so unwirklich. Sich noch einmal umsehend begab er sich zur
Tür und suchte mit dem Schlüssel das Schloss. Ein letzter Blick über die
Schulter, bevor er die Dunkelheit von außen hinter sich ließ und in das
helle, warme Haus ging.
Hinter einem Baum, gar nicht weit von der
Stelle, auf der Saint so lang verweilt hatte, stand er, der Batman, der
Saint seinen ersten Kuss gestohlen hatte. Er sah noch eine Weile auf
das Haus, bevor er sich lächelnd abwand und flüsterte: „Schlaf gut,
Rotkehlchen!“
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