Joliet,
Illinois – 18. Februar 1995 – 10:01 Uhr
Das Frühstück dauerte
bei den dreien länger als gedacht. Angelo ließ sich sehr viel Zeit
damit die noch so kleinste Information aus Kieran heraus zu locken,
der aber nur gehalten und unsicher erzählte. Er war hin und her
gerissen zwischen einer typisch kindlichen Art und einer starken
Einschüchterung. Der junge Italiener fand diesen Jungen unglaublich
interessant. Er hatte einfach das perfekte Potenzial! Dennoch durfte
er es nicht an ihn ausüben. Gut, der Junge war eh zu jung, aber er
würde älter werden und ihm persönlich wäre es lieber, wenn er
bereits in die richtigen Bahnen bis zu diesem Zeitpunkt gelenkt
geworden wäre. Aber es gab ja Villano der etwas dagegen hatte. Nun
ja, kommt Zeit kommt Rat!
So hatte sich Angelo die
Informationen erschlichen und sah zu, wie er sie am besten
verarbeiten konnte. Er hatte erfahren, dass er es hier mit einem
fünfjährigen Jungen zu tun hatte, der mit seiner Mutter allein
lebte, noch nie einen Kindergarten oder Vorschule von innen gesehen
und auch so nicht mir vielen Leuten zu tun hatte. Er kannte dafür
aber den Briefträger, Tom, beim Namen, der ihn immer Kekse
mitbrachte. An sich schien der Junge ein Kaffeekocher zu sein, was
aber wohl eher an seiner Mutter lag, die es nicht einsah das selbst
zu machen und verbrachte viel Zeit allein in seinem Zimmer. Ja,
dieser Junge war in seinen Augen verdammt faszinierend.
„Gut, dann würde ich
sagen wir zwei ziehen dir etwas an, Kieran und dann nehmen wir dich
einfach mal mit!“, sprach Angelo schließlich und lächelte den
Jungen zu, der einfach nur unsicher zu nicken begann.
Villano war der ganzen
Sache eher skeptisch gegenüber, so schickte er Kieran schon einmal
vor in das Schlafzimmer, in dem er aufgewacht war und hielt seinen
Bruder auf, der ihm folgen wollte: „Okay... Angelo, was hast du
vor?“
„Was soll ich denn vor
haben?“
„Du bist so
interessiert an diesem Kind... du hast mir etwas versprochen! Ihm
passiert nichts! Und ich verlange noch ein weiteres Versprechen von
dir ab! Wir suchen für ihn jemand, wo er bleiben kann! Wir sind viel
zu Jung um uns um einen Fünfjährigen zu kümmern. Noch dazu kommt,
dass du ganz genau weißt, dass diese Umgebung hier nichts für
Kinder ist!“
„Oh, Billy, wir sind in
dieser Umgebung auch aufgewachsen und es hat uns nicht
geschadet!“
Der Jüngere der beiden Zwillinge, auch wenn es nur um ein paar Minuten war, stieß einen verächtlichen Laut aus und schüttelte den Kopf. „Wir bringen ihn hier weg!“
Der Jüngere der beiden Zwillinge, auch wenn es nur um ein paar Minuten war, stieß einen verächtlichen Laut aus und schüttelte den Kopf. „Wir bringen ihn hier weg!“
„Er bleibt hier!“,
war Angelos letztes Wort und er schubste seinen Bruder bei Seite. Er
hatte keine Lust mehr zu diskutieren!
„VERDAMMT, ANGELO!! WIR
HABEN HIER NICHT EINMAL PLATZ FÜR IHN!“, brüllte nun Villano,
doch Angelo ignorierte es einfach. Villano ging ihn gerade tierisch
auf die Nerven! Er sollte sich hier einfach nicht einmischen! Genervt
stieß er die Tür vom Schlafzimmer auf und lief auf den Jungen zu,
der sich auf die Kante des Bettes gesetzt hatte und wartete.
Kieran sah sofort auf und
bemerkte Angelos Körpersprache, weswegen er gleich weg von ihm
rutschte.
Der Italiener bemerkte es
nicht und wollte nach der Tasche, mit Kierans Sachen, neben den
Jungen greifen, als er bemerkte wie stark dieser zusammenzuckte und
gleich den Kopf wegdrehte. „Hey.. ruhig...“, flüsterte er
unsicher und musterte den Jungen. Dieser hatte die Augen
zusammengekniffen, die Finger so tief ins Laken gegraben, dass die
Fingerknöchel weiß hervorstanden und hielt seinen Körper vom
Zittern ab. Kieran schien oft geschlagen worden zu sein, wenn er so
beobachtete, wie er reagierte. Für einen Moment überlegte er ob er
weiter darauf eingehen sollte, doch der Junge schien sich nur noch
mehr anzuspannen. „Also... was magst du anziehen?“, sprach er
dann ablenkend und kippte die Tasche aus. „Ich habe mal ganz viel
deiner Sachen mitgenommen und ich finde ja, dass wir dir komplett
neue Sachen kaufen sollten, oder?“, zumindest stellte er das fest,
als er die Kleidung so musterte. Hier und da waren Löcher zu sehen;
die Sachen wirkten auch viel zu Klein, allein schon auf den ersten
Blick und allgemein war das alles ziemlich verschlissen.
Der Fünfjährige war
alles andere als sicher, wie er handeln sollte, doch er merkte, dass
von Angelo keine Gefahr auszugehen schien und wand sich dann langsam
ihn zu. „Ehm... egal...“
Der Italiener seufzte nur
und suchte dann irgendwas heraus, bevor er ihn beim anziehen helfen
wollte, aber feststellte, dass der Junge das alles wohl schon lang
allein machte. Letztlich schob der Brünette ihn nach draußen und
reichte ihn seine Schuhe. „Zieh die schon mal an!“, sprach er
lächelnd zu ihn, bevor er sich noch einmal in die Küche begab und
nur noch seinen Kaffee austrank.
„Ignoriere mich nicht,
Lino!“, brummte Villano seinen Bruder zu, der aufsah und seine
Augen verengte, bevor er auf ihn zu schritt.
„Ersten, Billy, nennst
du mich nie wieder so! Zweitens, hältst du dich ab heute aus meinem
Leben raus und drittens, wenn du dem Kleinen irgendeinen Scheiß
versuchst einzutrichtern, dann werde ich nicht mehr so nett zu dir
sein!“
Perplex stand Villano da,
als er so von seinem Bruder einfach in der Küche stehen gelassen
wurde. Das konnte doch nicht Angelos ernst sein? Hallo? Er war sein
Fleisch und Blut und sie waren mehr als nur Geschwister! „Der hat
doch den Verstand verloren!“
Angelo hatte Kieran mit
nach unten genommen, was für den Kleinen das erste Mal, zumindest
bewusst, Fahrstuhl fahren hieß. Erst wollte er gar nicht in das
komische Ding hinein! Das war ihn viel zu gruslig und dann gingen die
Türen noch selbst auf und ab. Unsicher stand er in dem Metallmonster
und hatte furchtbare Angst. Das war alles total komisch und es fühlte
sich so seltsam an. Da kam es ihn gerade recht, dass der Italiener
ihn die Hand gereicht hatte, an die er sich im Moment sehr dankend
klammerte. Er hatte mittlerweile ein Vertrauensverhältnis zu Angelo
aufgebaut! Zwar kannte er ihn noch nicht lang, aber er war so lieb zu
ihn, dass war alles so neu für den Jungen!
Als der Fahrstuhl sich mit einem 'Bing' öffnete war der junge Ire wohl der Glücklichste auf der Welt. Hastig lief er los, weswegen er Angelo beinah hinter sich her zog. Es war so schön wieder ordentlichen Boden unter den Füßen zu haben, der sich nicht so komisch bewegte.
Als der Fahrstuhl sich mit einem 'Bing' öffnete war der junge Ire wohl der Glücklichste auf der Welt. Hastig lief er los, weswegen er Angelo beinah hinter sich her zog. Es war so schön wieder ordentlichen Boden unter den Füßen zu haben, der sich nicht so komisch bewegte.
„Du kennst keine
Fahrstühle, was?“
Kieran schüttelte nur
heftig mit den Kopf und sah beim rausgehen immer wieder über die
Schulter zurück auf das metallene Monster. Das war wirklich gruslig.
„Den werden wir noch
öfters benutzen, Kieran, du gewöhnst dich also dran!“, sprach er
freundlich und den Kleinen rutschte das Herz in die Hose. Das konnte
doch nicht sein! Doch Angelo drückte ihn nur aufmunternd die Hand
und führte ihn zu einem Auto, dass direkt vor dem Haus parkte. Am
Steuer saß der Kerl, den Kieran schon gestern gesehen hatte, als sie
ihn heimfahren wollten und er wusste nicht wie er reagieren sollte.
Der Brünette öffnete
die Tür und half dem Jungen ins Auto, bevor er selbst mit einstieg
und sich neben ihn setzte.
„Morgen, Angelo!“,
sprach der Fahrer und drehte sich nach hinten, wobei er auf den Junge
sah. „Hey, Kleiner!“
Kieran rutschte etwas zurück in den Sitz. Der Kerl war ihn einfach nicht geheuer und so starrte er ihn auch einfach nur an.
Kieran rutschte etwas zurück in den Sitz. Der Kerl war ihn einfach nicht geheuer und so starrte er ihn auch einfach nur an.
„Na höflich is' er
nich'!“, brummte er leise, bevor er sich mit einem: „Au!“,
äußerte.
„Er hat dich nicht zu
interessieren! Fahr einfach!!“, sprach Angelo genervt, der Alfredo
mit der flachen Hand auf den Hinterkopf geschlagen hatte. Das heute
auch jeder seine Klappe aufreißen musste! Es nervte ihn schrecklich!
Dann wand er sich lieber wieder dem Jungen zu! Der war vielleicht
ängstlich, aber er laberte ihn nicht dumm von der Seite an. „Wir
kaufen dir jetzt erst einmal etwas zum anziehen und dann wartest du
im Auto auf mich, weil ich noch etwas erledigen muss, okay?“
Kieran sah ihn an und
nickte dann, bevor er seinen Blick aus dem Fenster richtete. Er hatte
das alles hier noch nicht gesehen und es war unglaublich neu für
ihn!
Joliet,
Illinois – 18. Februar 1995 – 16:48 Uhr
Kieran konnte einfach
nicht glauben, dass Angelo so viel Zeit mit ihn verbracht und auch
einiges an Sachen gekauft hatte. Das hatte noch nie jemand gemacht
und der Fünfjährige strahlte wohl das erste Mal in seinem Leben aus
vollster Seele heraus. Es war einfach ein toller Tag und es gab so
viele Eindrücke, dass er nicht wusste wie lang er noch die Augen
aufhalten konnte. Er gähnte herzhaft, als sie wieder im Wagen waren
und kuschelte sich in den Sitz. Seine Augen beobachteten noch etwas
das Treiben der Stadt, bevor sie immer kleiner wurden und ihn
letztlich zu vielen. Der Junge war einfach nur fertig von dem tollen
Tag und so schlief er ein.
Kurz darauf hielt das
Auto und Alfredo drehte sich nach hinten zu Angelo, der mit beinah
erstarrter Miene ins Leere zu starren schien. Sein Blick wanderte
kurz zu dem Jungen, bevor er zu dem Fahrer sah und ihm kurz zu
nickte. Dieser stieg aus dem Auto aus und schloss überaus leise die
Tür, bevor er seinen Weg um das Auto suchte und Angelo die Autotür
öffnete.
Er griff nach einer
Sonnenbrille, die in der Innenseite des Wagens war und setzte sie
auf, bevor er das Auto verließ. Ohne eine Blick auf den Jungen
zurichten, ließ er die Tür schließen und begab sich, mit Alfredo
hinter sich, zu einer Fabrik, vor der sie geparkt hatten. Er lief so
auf das Gebäude zu, als würde es ihn gehören und die in schwarz
gekleideten Männer, die hier und dort standen, sahen ihn nach. Als
er vor der Tür war, wurde sie hastig geöffnet und er betrat den
Raum.
Sein Blick wanderte durch
den Raum, bevor er weiter einen Schritt vor den anderen setzte und
dabei einen kargen Gang entlang ging. Hier und dort stand vor einer
Tür ein Mann mit einer Waffe, doch Angelo schien das kein Stück zu
interessieren. Am Ende des Ganges ließ er sich die Tür öffnen und
schritt durch. Seine Mundwinkel zuckten für einen Moment zu einem
kalten Grinsen auf, ehe er auf einen Mann zu ging, der neben einen
Tisch stand.
„Was machen die
Geschäfte?“, fragte er den Mann, der sich grinsend umdrehte.
„Angelo, mio nipote!!“,
sprach er und begrüßte den Teenager. „Alles bestens!“, sprach
der Mann, der dem Italiener sehr ähnlich sah. Die Beiden begannen
sich über etwas zu unterhalten, was mit Unterlagen auf dem Tisch zu
tun hatte und man sah Angelo immer wieder nicken. Er schien sich mit
allem hier sehr gut auszukennen! Immer wieder hatte er irgendwelche
Einwände und man sah den Mann, der letztlich nichts anderes als sein
Onkel war, grinsen. „Du hast viel gelernt! Komm, ich zeig dir die
Ware!“, sprach er und setzte sich in Bewegung.
Die Italiener liefen
zurück in den Gang zur ersten Tür, vor der ein bewaffneter Mann
stand. Der Onkel gab dem Mann einen Fingerzeig und er ging beiseite.
Er öffnete an der Tür eine Klappe und sofort hörte man leise
wimmernde Frauen und Männerstimmen. „Nur das Beste...“, wurde
beton und Angelo warf selbst einen Blick hinein. Er nickte langsam
und sah sich die Gefangenen an. Ja, doch. „Ich denke, damit hat man
Erfolg!“
„Du hast eindeutig
meinen Blick geerbt, Angelo!“, sprach sein Onkel grinsend und ließ
die Klappe wieder zufallen. „Ich sehe dich dann morgen!“
„Ciao!“, war das
Einzige, was Angelo noch dazu sagte und begab sich mit Alfredo wieder
auf den Weg nach draußen.
„Warum hast du Edoardo
nichts von dem Jungen erzählt?“, fragte Alfredo nach, als das Auto
direkt in seinem Blickfeld erschien.
Angelo neben ihn grinste
nur und schob seine Sonnenbrille ein wenig herunter um darüber
schauen zu können. „Die kleine Nervensäge ist mein persönliches
Projekt! Da lass ich mir von niemand dazwischen funken! Nicht von
Villano und schon gar nicht von Edoardo!“
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