Montag, 26. August 2013

A never ending Story - Kapitel 14

Intrigen, Geständnisse und ein alter Bär

Miquel sah auf seinen Cousin, der sich auf seinen Bett breit gemacht hatte und zur Musik summte, die aus dem Wohnzimmer ertönte. Er verstand das nicht. Camilo war stinksauer auf ihn gewesen und jetzt kam er so an? Hatte ihn irgendwer was erzählt? Nein, sicherlich nicht. Er hatte niemand gesagt, was wirklich los war und er traute es auch Lan nicht zu, dass er das einfach so herum erzählte. Zum Anderen aber hatte er aber auch nicht gedacht, dass er ihn so schnell abservieren würde. Der Blonde war sich wirklich nicht sicher wie er mit der Situation gerade umgehen sollte.

„Ich hol mir was zu essen!“ Camilo stand auf und verließ den Raum. Er ging auf Enrique zu und wank ihn, beim vorbei gehen, in die Küche. „Wie war ich?“, fragte er grinsend nach als er Schritte hinter sich hörte. Sein Blick wand über seine Schulter und er grinste, als er Miquels Bruder erblickte.
„Wundervoll! Kannst du ihn einwickeln, dass er sich von dem Kleinen fernhält bis es Zeit für New York für ihn wird?“ Enrique sprach mit ruhiger Stimme und sah sich immer wieder um, dass nicht zufällig Miquel auftauchte.
„Klar doch... ich weiß doch, wie man Miquel ablenkt!“
Enrique verzog das Gesicht. „Das wollte ich jetzt gar nicht so genau wissen.. aber er arbeitete eh die meiste Zeit im Diner, also sollte das alles eigentlich kein Fulltimejob werden!“
Camilo nickte nur bestätigend. Er streckte seine Hand, in der er eine Gabel hielt zum Buffet aus und spießte eine Essiggurke auf, die er sich zugleich zum Mund führte. Man hörte das Gemüse knacken, als er seine Zähne darin versenkte und abbiss. „Ich bin mir sicher, dass alles nach deinem Plan verlaufen wird!“


Isabella sah wie Camilo das Zimmer ihres Bruders verließ und mit Enrique in die Küche ging. Fix rannte sie in das Zimmer und sah ihn panisch an. „Lan hat sich eben schon drei mal übergeben und es ist das Beste, wenn er nach Hause gefahren wird... Enrique ist wegen irgendwas sauer auf ihn und macht es nicht.. machst du es bitte? Bitte?“
Miquel sah sie verwirrt an und seufzte dann resignierend. „Ja.. okay... Ich zieh mir nur eben Socken an!“ Er richtete sich auf und lief zu seiner Kommode und zog die Lade auf. Warum hatte er nur ja gesagt?
„Danke!“ Breit grinsend verließ Isabella den Raum und ging auf Lan zu. „Lan?“; fragte sie und als dieser auf sah schlug sie ihn in die Magengrube, worauf dieser hin zusammen kauerte. „Spi..Spinnst du?“ Jetzt war ihn auch noch übel, sehr schön.
„Nein, nein, Lan! Ich helfe dir!“ Sie zog ihn auf die Beine und stützte ihn leicht auf den Weg zu Miquels Zimmer, der gerade dann raus kam, als sie vor der Tür waren.

Der Blonde musterte die Situation und seufzte. „Ich nehm ihn Huckepack!“ Er ging vor Lan in die Knie und wartete.
Der Jüngste war total verwirrt und hörte nur, dass Isabella sagte, dass er mitspielen sollte. Er kletterte, immer noch vollkommen irritiert, auf den Rücken von Miquel. Er konnte nicht anders als dessen Geruch zu bemerken. Miquel roch unglaublich gut. Lan konnte sein Aftershave riechen und Duschgel und auch etwas Schweiß, aber es störte ihn kein Stück. Er roch einfach nur gut. Der Rotschopf hielt sich an ihn fest und sah nochmal auf Bella, die ihn einfach nur angrinste, als wollte sie ihn sagen: 'Wenn du es jetzt nicht hin bekommst, dann weiß ich auch nicht wann!'

Miquel griff nach dem Autoschlüssel und hielt Lan an den Beinen fest, als er die Wohnung verließ. „Soll ich dich nach Hause oder zu deinen Großeltern bringen?“
„Meinen.. Großeltern...“, flüsterte Lan und hielt sich fester an Miquel. Er kam sich gerade vor wie ein Klammeraffe mit einem Teddybär unter dem Oberteil. Hoffentlich verlor er den nicht oder noch schlimmer: Hoffentlich bemerkte Miquel nicht, dass er ihn geklaut hatte.

Der Spanier brachte Lan zum Auto und setzte ihn auf den Beifahrersitz, bevor er auf der anderen Seite selbst einstieg. Miquel schwieg. Er wusste nicht genau, was er zu Lan sagen sollte. Er hörte nur sein Herz so laut klopfen, dass es in seinen Ohren pochte. Miquel mochte sich in diesem Augenblick kein Stück. Er wollte aufhören diesen Jungen zu lieben, aber es ging einfach nicht. Miquel hatte angefangen zu arbeiten und jeder Schicht zu schieben, die er überhaupt nur haben konnte neben der Schule, doch er dachte die ganze Zeit nur an Lan. Er fühlte sich immer mehr so als würde er gleich durchdrehen! Wieso war er nur so fixiert auf diesen Jungen, der ihn die ganze Zeit nur weh tat und mit ihn spielte? Er verlor durch die ganze Situation beinah sich selbst. Statt zu strotzen vor Selbstbewusstsein und Charme auszuschütten, fühlte er sich nur noch nichtig, klein und wollte sich irgendwo verkriechen!

„Ich... muss dir was sagen...“, flüsterte Lan, als Miquel den Motor startete und die Aussage ging vollkommen in dem Geräusch unter. Sein Blick lag auf den Spanier, doch er reagierte kein Stück. Lan schluckte und atmete erst einmal tief durch und wiederholte es lauter: „Ich muss dir was sagen!“
Miquel drehte seinen Kopf kurz herüber zu Lan für einen Moment, bevor er wieder auf die Straße sah. „Und was?“
Lan wollte gerade aus dem Auto springen. Die ganze Situation war ihn total unangenehm, aber er musste das jetzt durchziehen. „Ich.... hab gelogen... als wir in New York waren.. danach.. ich hab gelogen...“ Unsicher spielte der Rotschopf an den Saum seines Shirts. Plötzlich flog er beinah gegen das Armaturenbrett und er merkte wie sich der Gurt fest zog und sich schmerzhaft gegen seinen Körper schnürte. Lan schluckte und wand seinen Blick herüber. Miquel saß da, aufrecht, die Finger in das Lenkrad gekrallt, so sehr, dass dessen Fingerknöchel weiß unter seiner leicht gebräunten Haut hervorstanden. Der Jüngere sah wie der anderen vollkommen unter Anspannung saß und nach draußen auf die Straße schaute. Er traute sich gerade nicht weiter zu sprechen. Er wüsste gern, was in Miquel gerade vor ging.
„Je..jedenfalls... will ich nicht, dass du nach New York gehst.. nicht jetzt.. das ist nicht fair verstehst du.. ich dachte erst es wäre eine gute Idee, dass du mir nicht mehr auf die Nerven gehst, denn du bist echt total belastend... aber als wir dann da waren und die gesagt haben, dass sie dich nehmen... ich wollte nicht mehr das du gehst.. ich wollte, dass du nicht mehr weg gehst von mir und und.. und..“ Er konnte das nicht ausdrücken. Da erinnerte er sich an Isabellas Worte: 'Küss ihn!'
Lan suchte all seinen Mut zusammen und beugte sich herüber zu Miquel, wofür er den Gurt lösen musste, griff nach seinen Kinn, drehte es leicht und küsste ihn. Ein Kuss sagt mehr als tausend Worte sagt man, zumindest hatte Isabella das gesagt. Er war unsicher ob es stimmte.
Als er sich löste, rutschte er sofort wieder herüber auf seinen Platz. Miquel hatte auf den Kuss überhaupt nicht reagiert und das machte ihn nervös. Unsicher griff er nach dem kleinen Metallstück am Gurt um sich wieder anzuschnallen, denn irgendwie wollte er gesichert sein, sollte Miquel jetzt irgendetwas dummes anstellen.

„Du willst mich verarschen, oder?“
Miquels Worte schnitten die Luft und schnürten den Kleineren den Atem ab. „I..ich meine das ernst!“ Er war gerade ganz klein mit Hut.
„Du meinst das ernst.. du meinst das.... Ich bin die letzten Tage durch eine beschissene Hölle gegangen, Lan! Weißt du eigentlich wie sehr du mir weh getan hast? Ich nehme schon jeglichen Vorsatz zusammen um mit dir ganz normal umzugehen, weil du nur ein Freund sein wolltest und das war schon für mich alles andere als einfach... und dann küsst du mich.. machst mir alle Hoffnungen, nur um mich dann vor einer Klippe zu schmeißen, nachdem du mit Messern in mein Herz gestochen hast...“ Miquel sah ihn ungläubig an und schüttelte den Kopf. „Und jetzt kommst du so...“
Er setzte den Blinker und fuhr wieder los. Das war ihn gerade zu blöd. „Ich setzte dich jetzt bei deinen Großeltern ab und dann lässt du mich in Ruhe.. ich habe keine Lust auf ja und nein.. das halt ich nicht aus.. ich will nicht jeden Tag aufwachen und nicht wissen ob du mich an diesen Tag liebst oder verletzt!“

Lan biss sich auf die Unterlippe. Er wurde langsam wirklich sauer. Da schüttete er sein Herz aus, erläuterte seien Gefühle obwohl es ihn so schwer fiel und Miquel kam ihn so. „FÜR WAS FÜR EIN ARSCH HÄLTST DU MICH EIGENTLICH?“, schrie er ihn an. Das konnte doch nicht Miquels ernst sein. Er öffnete sich ihn gegen über und der reagierte so. So hatte er sich das wirklich nicht vorgestellt.
„Lan.. du ziehst diese Nummer die ganze Zeit ab.. darf ich dich an Mitchs Party erinnern? Da hast du mich auch verarscht.. und nachdem ich dir geholfen habe, hast du mir eine rein gehauen.. ich bin ehrlich.. mittlerweile traue ich dir eine ganze Menge zu!“

Miquel parkte vor dem Haus von Lans Großeltern und starrte nach draußen auf die Straße. Er sah Lan nicht an und machte auch gar nicht die Anstalten sich überhaupt zu Bewegen. „Wir sind da.“
„Ist mir egal!“ Lan verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich steige hier erst aus, wenn du aufhörst mich für das Letzte zu halten.“
„Dann sitzen wir länger!“
„Du bist so ein Arschloch!“
„Kann ich mit leben!“ Miquel redete total ruhig, auch wenn er sicherlich genervt schien. Man sah es in seinen Augen und an seinem angespannten Kiefer.
„JETZT REICHT'S!!“ Lan zog Miquel am Kragen zu sich, ohrfeigte ihn und küsste ihn dann. Wenn er ihn nicht glaubte, dann würde er es ihm eben zeigen! Das konnte er haben! Bitte!

Miquel stieß Lan zurück und musterte ihn für einen Moment, bevor er mit bedrohlicher Stimme von sich gab: „Ja es reicht wirklich.. Ich sag es dir jetzt mal ganz langsam, damit es auch jemand mit so einen bepuderten Hintern versteht.“ Er wischte sich mit der Hand über den Mund. „Ich halte dich für ein verzogenes Balg. Du denkst, dass du mit den Gefühlen andere nach Lust und Laune spielen kannst.. und du denkst auch, wenn du irgendwas sagst, dann springen die Leute. Ich weiß nicht was ich dir so schreckliches angetan habe, außer das ich mich in dich verliebt hatte, aber... irgendwie scheinst du eine menge Spaß daran zu haben mich zu zerstören. Aber weißt du was? Das ist nicht mehr drin. Ich bin dahinter gekommen, was für ein hinterfotziges Miststück du bist und.. ich muss dir eigentlich im danken, für die New York Geschichte! Ich habe den Platz an meiner Traumschule und ich bin endlich nicht mehr in dich verliebt!“
Lan stockte der Atem als Miquel das so sagte. Das konnte er doch unmöglich ernst meinen, oder? Das konnte er nicht ernst meinen. Hatte er ihn nicht gesagt,dass er die letzten Tage durch die Hölle gegangen war? Wie konnte er denn jetzt so etwas sagen? „A..Aber..“ Er schluckte heftig und Miquel zuckte mit den Schultern.
„Nichts aber. Ich bin nicht mehr in dich verliebt und um ehrlich zu sein, ich frage mich wirklich warum mir das überhaupt passiert ist! Du bist alles andere als mein Typ! Ich stehe nicht mal auf Rothaarig! Geschweige denn auf Kinder. Außerdem bin ich jetzt mit Camilo zusammen, also habe ich doch nicht so lang gebraucht um über dich hinweg zu kommen, also war das ganze wohl wirklich nur eine Verirrung! Und jetzt steig verdammt nochmal aus! Ich habe heute Abend noch etwas mit meinem Freund vor, wenn du verstehst was ich meine!“ Miquel hatte Lan die ganze Zeit über angesehen und wendete erst nach seinem Worten den Blick ab und trommelte ungeduldig auf dem Lenkrad.

Es schmerzte. Tiefer Schmerz durchzog Lans Brust und die Worte von Miquel hallten in seinen Ohren wieder. Hatte sich der Spanier auch so gefühlt, wie er sich in diesen Moment? Er wusste es nicht. Lan löste schnell den Gurt und rannte beinah aus dem Auto. Er sah nicht noch einmal zurück. Vor der Tür ließ er dreimal den Schlüssel fallen, bevor er endlich ins Haus kam. Seine Finger zitterten einfach viel zu sehr. Der Rotschopf wollte einfach nur noch in sein Zimmer.
Die Zimmertür ließ er laut hinter sich ins Schloss fallen und warf sich auf das Bett. Er wollte weinen. Einfach nur weinen. Er spürte erst jetzt was auf seinen Rücken und zog den Teddy hervor. Er war von Miquel, von dem Arsch, der ihn gerade so einen verdammt miesen Korb gegeben hatte.. Dem Arsch, der ihn gerade ein mächtigen Stoß versetzt hatte! Aber irgendwie hatte er es auch nicht anders verdient, oder? So wie er ihn behandelt hatte. „Aber ich lieb ihn doch...“, flüsterte er den verschlissenen Teddy zu und drückte ihn fest in seine Arme. Er hatte sich an ihn gepresst und ließ die Tränen einfach fließen.


Die Autotür auf der Beifahrerseite schlug ins Schloss und Miquel hob den Fuß von der Bremse um ihn herüber auf das Gaspedal zu setzen, der Wagen rollte los. Er fuhr einfach los. Das war gerade alles zu viel für ihn.
Natürlich hatte er gelogen. Er war noch immer in Lan verliebt und schon gar nicht mit Camilo zusammen, immerhin redete der erst seit ein paar Stunden wieder mit ihm, aber er wollte nicht noch mehr Lan verfallen. Er hatte sich so beherrschen müssen den Kuss nicht einfach aufzunehmen, Lan an sich zu drücken. Doch so war es eindeutig besser. Wenn es Lan dann mal wieder einfiel, dass er ihn dann plötzlich doch nicht haben wollte, dann war er wieder der Arsch und noch einmal konnte und wollte er das einfach nicht durchstehen.


Als er zu Hause in die Wohnung kam stürmten Enrique und Camilo beinah panisch auf ihn zu.
„Du hattest dein Handy nicht dabei!“, war das Erste, was Enrique sagte. Er hatte Miquel am Oberarm gepackt um ihn festzuhalten. Sein ganzer schöner Plan ging gerade den Bach herunter und nur weil seine dumme, kleine Schwester sich eingemischt hatte, in einen unbeobachteten Moment.
„Wieso? Wolltest du mich davon abhalten, dass ich herausfinde, dass Lan in mich verliebt ist?“, fragte er ruhig nach und musterte seinen Bruder. „Du wusstest das doch, oder etwas nicht?“ Der Blick seines Bruders und dass er sofort von seiner Schulter abließ sprachen für ihn Bände.
Miquel wand seinen Blick zu Camilo: „Und du auch, habe ich recht? Deswegen bist du doch überhaupt nur hier... weil du ihn nicht leiden kannst... Deswegen machst du mit Enrique gemeinsame Sache, was?“ Der Blonde fuhr sich durch das Haar. „Ich hab aus euren Blickwinkel gesehen, eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. „Und zwar.. die Gute.. ich bin nicht mit Lan zusammen und ich werde es auch nie sein. Die Schlechte allerdings ist.. das ich mit keinen von euch beiden mehr was zu tun haben will! Also.. ihr seit Beide für mich gestorben!“ Er lächelte sie Charmant an und schob sie dann beiseite. Als er seine Schwester sah, musterte er sie und legte seine Hand auf ihren Kopf. „Du solltest vielleicht Lan anrufen...“ Nun wand er sich ab und verzog sich in sein Zimmer. Er würde am nächsten Tag einfach seine Sachen normal weiter machen. Zur Schule gehen, ins Diner und vielleicht schaffte er es ja bis zum Abschluss, dass er Lan endlich aus seinem Kopf bekam.
Seufzend drehte er den Schlüssen im Schloss seiner Tür und ging auf das Bett zu. Er setzte sich drauf und hob abwechselnd seine Beine an um die Socken auszuziehen. Sich zurückfallend, warf er sie in eine Ecke und drehte sich auf den Bauch. Miquel lag nahm am Rand des Bettes, unter jenes er mit seiner Hand tastete. Er tastete und tastete. Das gab es doch nicht. Der Blonde robbte an den Rand und sah darunter. Da lagen die Kartons mit seinen alten Notizbüchern, aber ER war nicht da. „Abrazar?“, fragte er ungläubig nach und auch, wenn er sich dem bewusst war, dass er keine Antwort bekommen würde, hoffte er dennoch auf eine. Murrend warf er sich zurück auf die Matratze. „Ich kann mir schon denken, wo der Teddy ist....“ Auch wenn er sich nicht erklären konnte, wie er an den Teddy heran gekommen sein sollte!



Fest drückte Lan den Teddybär an seine Brust. Seine Finger hatten sich an das teilweise schon rapselkurze Plüsch gekrallt. Er wollte ihn nicht loslassen. Ja, Miquel hatte ihn gerade unglaublich weh getan mit seinen Worten und auch der Gedanke, dass der Marquez sich wahrscheinlich gerade mit Camillo vergnügte machte die ganze Situation nur noch schmerzhafter für ihn, aber dieser Teddy war von Miquel! Er war von Miquel. Wenn er an ihn roch, dann roch er dessen Duschgel, dass so leicht nach Orange schnupperte und auch dessen Aftershave. Lan fühlte sich Miquel gerade so viel näher. Schniefend hob der Rotschopf seinen Blick und musterte den Bär genau. Das er ziemlich geschunden aussah, war ihn ja vorher schon aufgefallen und auch, dass seine Augen blau waren, aber wenn er ihn sich jetzt so ansah. Dieses beige, teilweise sogar noch flauschige Fell, die blauen Augen und die kleine Latzhose, die er an hatte. Der Bär erinnerte ihn an Miquel. Er erinnerte ihn so sehr an Miquel. Es dauerte keine zwei Sekunden und Lan trieb es wieder die Tränen in die Augen.

„LAN!!!“
Panisch zuckte der Blonde zusammen, als es von draußen an seine Tür hämmerte und er Isabellas Stimme hörte. Was wollte sie denn jetzt hier? Er wischte sich so gut er konnte über die Augen, auch wenn er sich im klaren darüber war, dass das nichts brachte. Zu heftig hatte er geweint, als das man die Spuren nicht in seinem Gesicht sah.
Für einen Moment überlegte er so zu tun, als wäre er nicht da, aber seine Großeltern hatten Isabelle herein gelassen, also hatten sie ihr bereits gesagt, dass er sich im Haus befand.
Seufzend setzte er seine Beine auf den Fußboden auf und erhob sich vom Bett. Zugleich fühlte er wie weich sie sich anfühlten und wie sehr sein Kopf eigentlich durch das ganze weinen dröhnte. Er hatte gehört, dass Liebeskummer etwas schlechtes war, doch er wirklich hätte er nie erwartete, dass es einen so sehr zeriss im Inneren.
Lan öffnete die Tür und kaum war diese Barriere zwischen ihnen weg, hang Isabella auch schon an seinen Hals.
„Ich bin für dich da, hörst du? Ich bin da!“, flüsterte sie und drückte den Jüngeren einfach so unglaublich fest an sich, wie sie nur konnte. Sie wollte Lan beschützen, denn immerhin war es ihr Rat gewesen, der Lan zu dieser traurigen Situation gebracht hatte.
Der Rotschopf schob sie von sich und ging zurück vom Bett. „Du kannst mir auch nicht helfen!“ Seine Stimme klang trotzig und man hörte, dass er versuchte nicht weiter zu weinen.
„Ich will dir aber helfen!“
„KANNST DU NICHT!“ Lan wurde sauer und wollte seine gesamte Wut an Isabella heraus lassen. Sie konnte eigentlich nichts dafür, er war selbst Schuld und auch derjenige, auf den er eigentlich wütend war, doch sie war gerade hier und mischte sich ungefragt ein!

„Ist das Abrazar?“
Lan hielt inne. Shit, der Bär! Den hatte er total vergessen! Er wollte ihn schnell noch verschwinden lassen, da hatte Isabella den Teddy auch schon in ihren Händen.
„Miquel wird dich umbringen, wenn er das merkt.. Er und der Bär sind mega dicke miteinander, seit dem Miquel zwei oder drei war!“
„So alt ist der Bär schon?“ Lan sah sich den Bären an und griff wieder danach und zog ihn zu sich. Fest drückte er ihn an seine Brust und vergrub seine Nase darin. Er roch nach Miquel! Er hatte den Blonden so oft begleitet! Er war ein Teil von ihm.
„Er bringt dich dennoch um!“
„Soll er doch...“ Lan sah von Abrazar auf und begann wieder zu weinen. „Er liebt mich nicht, Bella... nicht mehr.. er hat was neues...“



„Das war es für heute, Marquez, du kannst gehen!“
Schnaufend wischte sich Miquel mit den Unterarm über die Stirn und atmete anschließend durch. Er richtete sich gerade auf und straffte seine Schultern nach hinten, bevor er sich streckte. „Danke, Boss! Bis morgen!“ Es war nun annähernd eine Woche her, seitdem er Lan einen Korb gab. Er hatte von den Rotschopf nichts mehr gehört und empfand es auch angenehmer so! Er war wirklich nicht scharf darauf den anderen zu sehen. Es war schon schlimm genug, dass er jedes Mal, wenn er auf den Kalender sah feststellte, dass es jetzt nur noch vier Tage waren, bis Lan Geburtstag hatte. Miquel hasste sich langsam selbst dafür, dass er einfach nicht loslassen konnte.
Kopfschüttelnd begab sich der Blonde nach hinten in die Privaträume um seine Tasche zu holen, sein Blick streifte dabei dir Uhr. Es war jetzt schon bald 22 Uhr und er würde zu Hause seine Ruhe haben, da seine und Camillos Familie zusammen in Chicago bei einem Event waren und auch dort übernachteten. Vielleicht sollte er zur Abwechslung einmal baden, das würde seinen Körper sicherlich entspannen. Der Blonde war sich bewusst, dass er zu viel arbeitete, aber brauchte wirklich Geld für New York, außerdem lenkte es ihn ab.
Er hätte auch einfach mit seiner Familie zu diesen Event gehen können. Sein Boss wäre sicherlich damit einverstanden gewesen, immerhin hatte er ihn selbst schon gesagt, dass er sich ruhig mal frei nehmen könnte, aber Miquel wollte einfach nicht. Er war seinem Bruder und Cousin erfolgreich aus den Weg gegangen und auch den Gesprächen mit ihnen entkommen, dort wäre er sicherlich nicht darum gekommen! So war wirklich alles viel besser.

Gähnend warf der Blonde die Tür ins Schloss und streifte sich die Schuhe von den Füßen. Eigentlich wollte er nur noch in sein Bett. Er sollte das mit den Bad lieber lassen, wenn er sich nicht selbst umbringen wollte. Der Teenager lief an den großen Spiegel im Flur vorbei und hielt inne. Sein Blick und der seines Spiegelbildes trafen sich, ehe er sich genau betrachtete. „Miquel... du hast ganz schön abgebaut...“ Er hatte in der letzten Zeit abgenommen und auch seine Muskeln wirkten nicht mehr ganz so wie bisher. Es war eindeutig. Er arbeitete zu viel, aß und trainierte zu wenig. Aber vor allem litt er immer noch an der ganzen Situation mit Lan.
„Am besten bestelle ich mir 'ne Pizza und hau nachher noch etwas auf den Sack ein...“

Mit der Bestellkarte in der Hand lief er auf das Telefon zu. Er streckte seine Hand danach aus, als es klingelte. „Das ist gruslig...“ Miquel nahm das Gerät in die Hand und musterte die Nummer, die auf dem Display aufleuchtete. Es war keine, die eingespeichert war und so war er sich unsicher, ob er dran gehen sollte, doch was wenn es wichtig war?
„Marquez?“
Am anderen Ende war Stille und Miquel war geneigt aufzulegen, als er ein Schluchzen vernahm „Hallo? Wer ist denn da?“, fragte er genauer nach und wartete.
„I..st Bella da?“
Miquel erkannte die Stimme sofort. Lan! „Isabella ist nicht da, Lan, soll ich ihr was ausrichten?“ Es war so seltsam für ihn seine Stimme zu hören und dann auch noch mitzubekommen, dass er weinte. Am liebsten würde er ihn gerade in den Arm nehmen und trösten, doch er musste sich zusammenreißen!
„Meine.. gro..groß...“ Lans Stimme versagte und er schluchzte schwer auf. Er schnappte laut nach Luft. „Unfall... ich.. bin.. Krankenhaus!“

„Ich bin gleich da, Lan!“ Miquel legte auf und ließ die Broschüre in seiner Hand fallen. So schnell wie er nur konnte rannte er nach unten. Schuhe hatte er keine angezogen, das dauerte einfach zu lange. Er lief zur Bushaltestelle und überflog hastig den Fahrplan. Der nächste Bus, der zum Krankenhaus fuhr, würde gleich kommen. Unruhig zog er ein Ticket, während er immer wieder auf die Uhr an seinem Armband sah. Konnten dieser scheiß Bus sich nicht beeilen? 
Er musste ins Krankenhaus!! 
Unbedingt!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen